Die Wahl treffen

„Wenn du morgen nicht zur Wahl gehst, rede ich in den nächsten drei Tagen kein Wort mit dir,“ sagte mein politikbegeisterter Bruder am Samstag zu mir. Während ich am nächsten Tag vom Gottesdienst nach Hause ging, war ich unschlüssig: sollte ich wählen gehen, oder nicht? In meinem Kopf stritten zwei Stimmen miteinander.
  • Grüne und SPD freuen sich über ihren Sieg in Baden-Württemberg. Foto: Flickr/Grüne Baden-Württemberg

 

„Du musst zur Wahl gehen. Es ist deine Verantwortung als Bürger.“ – „Ist es denn verantwortlich zu wählen, wenn ich die Politik kaum verfolge und darum nur ein kleines Bild von den Parteien und ihren Wahlprogrammen habe?“ – „Wenn du nicht wählst, ist es, als gibst du den Falschen die Stimme. Komm, überwinde dich!“ – „Was ist, wenn ich aus Unwissenheit etwas Falsches wähle?“

Gedanken versunken lief ich durchs Dorf, als ein Auto neben mir hielt. Mein 88-jähriger Opa hielt an: „Hast du schon gewählt? Oma und ich waren gerade da.“ Warum wissen meine Großeltern besser als ich, wen sie wählen wollen? In den letzten Tagen habe ich mir Gedanken gemacht, welche Faktoren mich beeinflussen in meiner Entscheidung für eine Partei.

Brandaktuell

Die Atompolitik ist derzeit in aller Munde, denn die Tragödie in Fukushima hat uns aufgerüttelt. Bisher wurde sachlich über Atompolitik geredet, das ist nicht mehr möglich. Durch die Berichte aus Japan wird das Thema persönlich und auf einmal auch für uns bedrohlich. Die Bilder, die wir sehen, vermitteln Eindrücke von Zerstörung und Angst. Keiner kann beurteilen, wie sicher oder unsicher die Lage ist. Das Thema bleibt im Blick der Medien und damit im Bewusstsein der Bevölkerung. Ein Thema, dass im Fokus der Medien bleibt, hat Einfluss auf meine Wahl.

Relevant

Stuttgart 21 ist für die Bewohner der Stadt ein Thema mit direkten Auswirkungen. Doch ich wohne weiter weg. Die Entscheidungen betreffen mich nur mittelbar und haben geringe Bedeutung. Bei Stuttgarter Bürgern wird dieses Thema Einfluss auf ihre Stimmabgabe haben. Ich entscheide als Wähler, welche Themen für mich wichtig sind und wähle aus dieser Position die Partei, die meinen Vorstellungen am meisten entspricht.

Kompetent und glaubwürdig

Am Tag nach dem Tsunami in Japan entschied Angela Merkel, die Laufzeitverlängerung für 3 Monate auszusetzen. Das tat sie, nachdem 2010 eine Laufzeitverlängerung beschlossen wurde. Steht die CDU nicht mehr zu ihrer Entscheidung? Hat sie vielleicht eine falsche Entscheidung getroffen? Diese Fragen kann ich nicht beantworten und doch verunsichern sie mich und lassen mich überlegen, ob ich mich anders orientiere.

Die Entscheidung für eine Partei ist stark abhängig davon, welches Bild die Partei und deren Politiker vermitteln. Zeigt er Kompetenz oder straft er sich selbst Lügen? Kommen die Partei und der Kandidat glaubwürdig rüber? Die Medien vermitteln ein Bild und dieses Bild hat starken Einfluss darauf, wo ich mein Kreuzchen mache.

Am Wahlsonntag

Ich habe mich entschieden und bin wählen gegangen. Für mich war allerdings nicht die Wahl am Wichtigsten, sondern dass ich mir die Zeit genommen habe zu reflektieren, was meine Wahl beeinflusst.

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