Die tanzenden Nachwuchsmissionare
Wenn sie lostanzen, kann keiner sitzen bleiben: Seit zehn Jahren treten die iThemba-Teams des evangelikalen Missionswerks "Jugend für Christus" in wechselnden Besetzungen in Deutschland und anderen Ländern der Welt auf. Das Besondere: Die sieben bis acht jungen Christen repräsentieren das ganze Südafrika: Schwarze, Farbige, Inder und Weiße. Sie treten in Schulen, Gemeinden oder bei Jugendveranstaltungen auf. Dort thematisieren sie mit Musik, Tanz, Schauspiel und ihren Lebensgeschichten Probleme wie Drogenmissbrauch, Rassismus oder HIV/Aids. Ihrem Namen folgend - das Zulu-Wort iThemba bedeutet Hoffnung - sprechen sie auch über den Glauben an Jesus Christus. Durch den Einsatz der jungen Christen konnten so bereits mehr als 500.000 Leute erreicht werden.
Natalie hat keine Eltern mehr: Ihren leiblichen Vater – ein Inder – hat sie nie kennengelernt, zum Stiefvater besteht kaum Kontakt und ihre Mutter starb letztes Jahr an Brustkrebs. Die 26-Jährige ist das, was man in Südafrika eine Farbige nennt – eine Mischung aus zwei verschiedenen „Rassen“. Noch heute gibt im Pass eine Nummer an, welcher Gruppe man angehört. Bereits als Jugendliche hat sich Natalie in East London an der Ostküste Südafrikas bei einer Evangelisation für ein Leben als Christ entschieden. Kurz darauf kam sie in der Schule auch in Kontakt mit Mitarbeitern von „Jugend für Christus“. „Sie machten einen Workshop bei uns. Ein Mädchen der Gruppe fragte mich, was ich nach meinem Abschluss mache. Ich wusste es damals nicht.“ So kam es, dass Natalie zunächst in die Missionsarbeit von „Jugend für Christus“ in Südafrika einstieg und später mit iThemba in Deutschland und den USA unterwegs war. Die Teammitglieder erhalten während der achtmonatigen Tournee ein Taschengeld sowie Unterkunft und Verpflegung. Seit diesem Jahr ist Natalie fest bei dem Missionswerk angestellt: Sie ist dafür zuständig, die Teams – die dann für mehrere Monate quer durch die Welt reisen – in Südafrika zusammenzustellen.
Die Familie verlangt viel
Dass sie als Farbige so selbstständig werden konnte, gilt nicht als selbstverständlich. Denn auch wenn sie keine leiblichen Eltern mehr hat, hat der Rest der Verwandtschaft seine Ansprüche: „Bei den dunkelhäutigen Familien erwartet man in der Regel, dass die Kinder nach ihrem Schulabschluss sofort Geld verdienen, um die Familie zu versorgen. Wobei damit die ganze Verwandtschaft gemeint ist“, sagt Natalie. Für viele ist es daher schwer, zunächst zu studieren oder eine Ausbildung zu machen, bevor sie ins Berufsleben einsteigen. Auch sie selbst habe manchmal ein schlechtes Gewissen gehabt, dass sie sich mehr um ihren eigenen Lebensweg kümmerte als um ihre Angehörigen. „Aber irgendwann kommt man in ein Alter, wo man selbstständig sein will.“
Die Rassentrennung und ihre Folgen
Auch nach dem Ende der Rassentrennung vor 14 Jahren befindet sich Südafrika teilweise in einem desolaten Zustand: Manche Familien sind so arm, dass sie mit über zehn Leuten in einer Zwei-Zimmer-Wohnung hausen müssen. Das Bildungssystem hat Nachholbedarf, weil es zu wenige Lehrer gibt. Von den Jugendlichen sind 75 % arbeitslos. Vor allem dunkelhäutige junge Menschen haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer – auch wenn heute inzwischen die Regelung gilt, dass bei zwei gleich guten Bewerbern der Schwarze vorzuziehen ist. Für die iThemba-Teammitglieder sind die Jobchancen da schon besser: „Bis jetzt hat jedes Mitglied unserer bislang 23 Teams später auch eine Stelle gefunden“, sagt die Deutschland-Koordinatorin Daniela. Den Grund für das bessere berufliche Fortkommen sieht sie in den Chancen, die das Zusammenleben auf Zeit mit anderen Kulturen bietet: Man erlernt soziale Kompetenzen, wird fern von der Heimat unabhängiger und selbstbewusster.
Viele Eltern sind gegen den Einsatz
Doch dass die Nachwehen der Rassenunterschiede noch nicht überwunden sind, wird bis heute immer wieder deutlich: Oft sind die Eltern gegen die Beteiligung ihrer Kinder bei iThemba. Sie haben ein Problem damit, dass Schwarze, Farbige, Inder und Weiße gemeinsam in den Gruppen sind. Auch „Jugend für Christus“ ließ sich von der Vergangenheit beeinflussen: Bis zu diesem Jahr galt die Devise, dass kein weißes Mitglied die Teamleitung innehaben darf. „Wir wollten nicht, dass die Leute in Deutschland den Eindruck haben, dass wir zwar eine gemischte Gruppe haben, aber letztlich die Weißen das Sagen haben“, erklärt Daniela. Im Grunde sei diese Regelung aber ein Fehler gewesen, da man auf diese Weise die weißen Jugendlichen wegen ihrer Hautfarbe benachteiligt habe. Deshalb habe man die Regelung nun abgeschafft.
Mangelhafte Kooperation mit christlichen Schulen und Gemeinden
Jedes Team macht pro Jahr etwa 110 Einsätze. Dabei setzt das Missionswerk auf die Zusammenarbeit mit den Gemeinden an den Auftrittsorten. Im besten Fall können die Teammitglieder in den Schulen für eine evangelistische Gemeindeveranstaltung am Abend einladen. Während sich die Einladungen von staatlichen Schulen häufen, sind merkwürdigerweise christliche Schulen allerdings zurückhaltend, berichtet Daniela. Woran das liegt, weiß sie nicht.
iThemba verhinderte Selbstmord
Dass ein Auftritt von iThemba stets ein besonderes und manchmal sogar lebensveränderndes Ereignis ist, weiß Daniela aufgrund der Rückmeldungen nur zu genau: „Einmal bekamen wir von einem Mädchen einige Wochen nach einer Veranstaltung einen Brief. Darin schilderte sie, dass sie für den Tag – an dem iThemba an ihrer Schule auftrat – eigentlich ihren Selbstmord geplant hatte. Durch die persönlichen Zeugnisse von iThemba habe sie aber zum Glauben an Jesus Christus gefunden und neuen Mut für ihr Leben bekommen.“ Ermutigung für das Leben – das hat auch Natalie erhalten. Wenn sie mit ihren zwei Stiefgeschwistern in Südafrika telefoniert, sind sie erstaunt, wo sie wieder unterwegs ist: Essen, Dresden, Hamburg oder Stuttgart. Deutschland kennt sie inzwischen wohl besser als manch ein Einheimischer. Nur in der Schweiz war sie noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Weitere Infos:
Willst du bei iThemba oder anderen Einsatzmöglichkeiten von „Jugend für Christus“ mitmachen oder das Team in deine Stadt einladen? Dann informier dich im Netz unter www.yfc.de, per E-Mail an schularbeit@yfc.de oder unter 0049-(0)6151-14109-0.
Weitere Infos unter: www.ithemba.de .



