Die Sexualisierung des Frauensports

Es gibt Sport und Frauensport und es gibt Fußball und Frauenfußball. Geschlechterrollen werden im Sport offenbar verstärkt. Das liegt unter anderem daran, dass Sportlerinnen in zunehmendem Maße von den Medien als Schönheits- und Sexsymbol und nicht mehr als Leistungsträger dargestellt werden. Dieses Phänomen nennt man – aus dem Britischen kommend – „Sporno – when sport meets porno“.
  • Fußballerin oder Wet-T-Shirt-Model? Die Sexualisierung der Athletinnen ist im Frauensport an der Tagesordnung. Nationalspielerin Fatmire (Lira) Bajramaj ist ein Beispiel dafür. Foto: dpa

 

Zwei Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln haben diese Erscheinung über mehrere Jahre hinweg untersucht. Ihr Fazit: Die Sexualisierung im Sport gibt es nicht erst seit gestern, aber sie schreitet immer weiter voran. Daniela Schaaf und Jörg-Uwe Nieland haben eine fünfstufige sogenannte „Spornografisierungstreppe“ entwickelt, um das Fortschreiten des Phänomens darzustellen. Auf jeder Stufe verschwimmen die Grenzen zwischen Pornografie und Sport mehr – bis hin zum Gebrauch des Sport-Motivs in Pornofilmen.

Sex sells

Vor allem auf Sportlerinnen trifft das Fünf-Stufen-Modell zu. Während bei Männern Muskeln in der medialen Darstellung im Vordergrund stehen, ist es bei Frauen der weibliche Körper mit seinen Reizen. Die Erklärung für die erhöhte Sexualisierung in der Sportberichterstattung ist so kurz wie einfach: sex sells. Zwar finden sich nur in fünf Prozent der Texte sexuelle Anspielungen wieder. Bildquellen jedoch stellen die Sportlerinnen vorwiegend in erotischen Posen dar.

Leistung reicht nicht

Schaaf und Nieland haben herausgefunden, dass die Sportmedienrealität von männlich dominierten Sportressorts bestimmt wird. Über Athletinnen wird nur dann berichtet, wenn sie das traditionelle Weiblichkeitskonzept aufrechterhalten und ihre Sportart bildlich etwas hermacht. „Sex sells“ gilt in beide Richtungen: Die Zeitung druckt nur dann ab, wenn es ansprechend aussieht und sie sich guter Verkaufszahlen sicher sein kann; Sportlerinnen sind aufgrund des bereits übersättigten Marktes darauf angewiesen, zusätzlich zu ihrer Leistung ein Angebot zu machen, das sich für sie finanziell lohnt.

Der „Bajramaj-Effekt“

Diese Art von Berichterstattung lässt sich exemplarisch an der Frauen-Fußball-WM festmachen: Im Vorfeld der WM 2011 in Deutschland beschäftigten sich die Medien vor allem mit der Nationalspielerin Fatmire (Lira) Bajramaj. Die attraktive Deutsche kosovo-albanischer Herkunft erhielt viel Aufmerksamkeit in Zeitschriften und im Fernsehen und wurde vielfach zum Hoffnungsträger und Star des deutschen Teams – oder gar der WM – erhoben. Zwar hatte es Bajramaj 2010 bis auf Platz 3 der Weltfußballerinnen des Jahres gebrachr und war 2011 zur deutschen Fußballerin des Jahres gekürt worden, doch zur WM befand sich die bekennende Muslima gerade in einem Formtief und es nicht einmal in den Startkader der Nationalmannschaft. 

Die Emanzipation bleibt auf der Strecke

Die Sexualisierung von Sportlerinnen stellt gezielt die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in den Mittelpunkt. Der eigentlich von den Frauen seit Mitte des 20. Jahrhunderts lautstark angestrebten Emanzipation werden hier Grenzen gesetzt. Dies ist nicht nur aus finanziellen Gründen so. Die Frauen wollen zwar den Männern in nichts nachstehen, aber auf keinen Fall die Wahrnehmung der eigenen Person als Frau in der Öffentlichkeit gefährden.

Das Mannsweib-Klischee widerlegen

Im Vorfeld der Frauen-Fußball-WM sorgten fünf Spielerinnen der deutschen Juniorenmannschaft für Aufsehen, als sie sich für den Playboy ablichten ließen. Die Begründung der Spielerinnen lautete: „Wir wollen mit unseren Playboy-Bildern das Mannsweib-Klischee widerlegen. Die Botschaft ist: Seht her, wir sind ganz normale – und hübsche – Mädchen.“

Warum die Geschlechterrollen aufbrechen?

Ja, was denn nun? Auf der einen Seite wollen Sportlerinnen gleichbehandelt werden, sich auf der anderen Seite aber über den Sport hinaus mit ihren körperlichen Reizen von den Männern abheben. Vielleicht kann diese Spannung ja einfach so stehen bleiben. Es ist gar nicht unbedingt nötig, die traditionellen Geschlechterrollen im Sport ist aufzubrechen, wenn man folgende Punkte beachtet: Die qualitative und quantitative Präsenz von Sportlerinnen in den Medien sollte verbessert werden; mehr Frauen in den Führungspositionen der Redaktionen und Sponsoringabteilungen von Sportverbänden würde der angemessenen Repräsentation von Sportlerinnen gut tun; und die finanzielle Situation von Athletinnen muss verbessert werden, damit sie künftig mehr mit ihrer Leistung punkten können.

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