Die inoffiziellen Sommermärchen-Hymnen
Während es in der Berliner Republik derzeit drunter und drüber geht, produziert das deutsche Fußball-Sommermärchen immer weitere Episoden. Die neuste: Acht Studenten aus Münster summen Lenas Eurovision-Siegersong „Satellite“. Einer schreibt auf diese Melodie einen einfachen Text zur Begeisterung rund um die Fußball-WM. Und heute? Da haben die Studenten, die sich "Uwu Lena" nennen, einen Plattenvertrag in der Tasche und werden nächste Woche mit "Schland o Schland" die Charts stürmen. Aber wohl nicht allein.
Wer bisher glaubte, Lenas Sieg beim Grand Prix und der Spaß-Patriotismus rund um die deutsche Nationalmannschaft seien zwei verschiedene Paar Schuhe, der sieht sich jetzt eines Besseren belehrt. Mit dem Titel „Schland o Schland“ hat die neu gegründete Formation Uwu Lena die Herzen von Hundertausenden im Sturm erobert und verbindet sozusagen Lena und Jogi Löws Jungs.
Bärtiger Student in Lenas „kleinem Schwarzen“
Auch in den Ohren von Uwu Lena hatte sich „Satellite“ festgesetzt. Christian Landgraf animierte dies, einen eigenen Text zu schreiben, der so dermaßen einfach gehalten ist, dass ihn wohl jeder von uns hätte schreiben können. Eine kleine Kostprobe: „Ein Märchen, was ein Traum!/ Nur Fußball?/ Nein, nein, das glaub' ich kaum./ Und heute feiern alle Leute mit!“
Uwu Lena haben dann ein richtig gutes Video dazu gedreht, das eine Mischung aus Grillparty zur WM und Parodie der skurrilen Körperbewegungen von Lena Meyer-Landrut darstellt. Die Bandmitglieder tanzen schwarz-rot-gold gekleidet in einem Park. Der Sänger, einer der Bärtigsten, trägt Lenas „kleines Schwarzes“.
Mithilfe der Graswurzelbewegung des Internets zum Plattenvertrag
Das Video haben die Münsteraner ins Internet auf alle möglichen Videoportale gestellt, was sofort großen Anklang fand. Nur der Plattenfirma von Lena gefiel der Scherzclip am Anfang gar nicht. Sie sorgte mit einer einstweiligen Verfügung für eine Sperrung des Videos wegen Copyright-Verletzungen. Doch die Fans von „Schland o Schland“ waren zahlenmäßig schon überlegen und hielten ihre WM-Hymne in Umlauf. Das veranlasste alle Beteiligten, sich zu einigen, und die Plattenfirma "Universal Music" erkannte, dass sie mit dem Lied ordentlich verdienen kann. Die Graswurzelbewegung über das Internet war also wieder einmal erfolgreich. Seit heute nun kann man "Schland o Schland" bei iTunes offiziell erwerben. Nächste Woche erscheint dann die CD, die durchaus eine hohe Platzierung in den Charts erreichen könnte.
Merkel und der Papst als Fußballfans
Dort will aber gerade auch eine andere Gruppe mit ihrem WM-Coversong hin: Die A-Capella-Formation "basta" ist zwar kein so unbeschriebenes Blatt wie Uwu Lena, doch auch ihre Fußball-Hymne "Gimme Hope Joachim" stieß mit über 1,3 Millionen Klicks in den letzten Tagen vor allem über YouTube auf helle Begeisterung. Und der Song könnte besser nicht passen: Schon das Original "Gimme Hope Jo'anna" von Eddy Grant stand 1988 für Aufbruch und Hoffnung in (Apartheit-) Südafrika. Die soll "Jogi" nun auch mit der Nationalelf bringen. Im beliebten South Park-Style singen im Videoclip neben basta auch unsere Spitzenpolitiker, Heidi Klum und sogar der Papst zur Anfeuerung mit, also "Fußball-Deutschland" kollektiv vereint.
Wieder einmal setzen sich die Erzeugnisse durch, die einen größtmöglichen gemeinsamen Nenner anzubieten haben und eine aktuelle Stimmung bedienen. Nach der WM dürfte es daher wieder still um Uwu Lena und basta werden. Die Münsteraner können sich ganz ihrem Studium widmen, während das Quintett aus Köln noch ein bisschen mit dem aktuellen Album auf Tour geht.
Schland o Schland-Video anschauen.
Gimme Hope Joachim-Clip anschauen.


