Die Ich-Karrieren der Elite-Kinder

Alles nach einem perfekten, individuell abgestimmten Plan: Lehrer und „Coachs“ kümmern sich dort um das Wohl der Talente, der sogenannten „High Potentials“. Um alle Türen der Wirtschaftswelt offenzuhalten, schicken immer mehr Eltern ihre Kinder auf solche Privatschulen um sie für ihre Karriere in Konzernen coachten zu lassen. Ab 10.000 Euro pro Jahr. Elite-Schulen boomen in Deutschland.
  • Foto: Pixelio/Stephanie Hofschläger

 

Die Schulpsychologin bespricht mit den Eltern Schwerpunkte für die individuelle Entwicklung ihres Kindes. "Das Selbstwertgefühl aufzubauen ist das Wichtigste", sagt sie. Sie hat viel Erfahrung im Umgang mit Kindern. Wegen dem Effizienzdruck bereits im Kindergarten. Nach einer Umfrage von TNS Forschung Ende 2009 wollen bereits 43 Prozent der Eltern ihre Kinder lieber auf Privatschulen schicken, soweit das finanziell möglich ist. Sie erhoffen sich eine intensivere Betreuung, internationale Ausrichtung - bessere Karriere-Chancen: "In jedem Menschen steckt mehr, wenn er nur will", sagt sie.

Klaus Werle, Autor des Buches "Die Perfektionierer" kritisiert diese Bildung aus selbstgefälligen Motiven heraus: Scheitern sei irgendwann nicht mehr erlaubt. Wer permanent seine Schwächen ausbügelt, könne irgendwann seine Stärken nicht mehr ausspielen. Werles Fazit: "Eine wuchernde Lebenshilfe-Industrie für den Wunsch, ein ganz besonders wertvoller, unersetzlicher und leistungsfähiger Mensch zu sein".

Stolze Eltern, fleißige Kinder

Lange braune Haare, pinkes Polo-Shirt, eine Milchzahn-Lücke. Den Hockey-Schläger hat sie fest im Griff, das Tor des Gegners fokussiert. Erst kürzlich hat die 10-Jährige, nennen wir sie mal Eva, die Grundschule verlassen. Bald ist sie ein Middle-Year-Student an einer Privatschule. Sie mag die Schule. Der einzige Haken sei, dass man da so viel arbeiten müsse. "Im Kindergarten konnten wir immer spielen", sagt sie.

Der Hort steht ebenso auf dem Campus. Ihr Vater ist Manager, hat weniger Zeit für seine Tochter als andere Elternteile. Die Ausbildung seines Kindes kostet ihn möglicherweise bis zu 25 Prozent des Nettoeinkommens. Eva breche in Tränen aus, wenn sie krank zu Hause bleiben muss, nicht zur Schule gehen kann. Für ihren Vater zeigt dies, dass die hoch motivierte, junge Frau später genau so gerne zur Arbeit gehen wird: "Der Erfolg später im Job ist dann doch so gut wie gesichert", sagt er.

Schwerpunkte trainieren, Selbstbewusstsein lernen

Hobbys stehen in der Prioritätenliste der Schulleitung zwar nicht ganz oben, werden aber als Berufswunsch entsprechend gewürdigt: "Also ich mag sehr gerne Schauspielerin sein, aber wenn dann nur so als Nebenberuf", sagt Eva. Ein echter Beruf komme für sie in der Tourismusbranche in Frage, um genügend Geld zu verdienen.

"Da jedes Kind ein Produkt seiner Gene und Umwelt ist, gibt es auch keinen Grund, ihm den bestmöglichen Start ins Leben zu verweigern", sagt Elite-Forscher Detlef Gürtler. Für ihn sind Privatschulen in punkto Ausstattung und Betreuung ein Vorbild für die öffentlichen Schulen. Gürtler fügt ein Aber hinzu: Die individuelle Förderung eines Schülers sollte nicht vom Kontostand der Eltern abhängen. Sondern sich vielmehr an den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Kindes orientieren.

Die Motivation ist entscheidend

In einem Gleichnis machte auch Jesus deutlich, dass von Menschen denen viel anvertraut wird auch ebenso viel und mehr erwartet wird (Lk 12,48): „Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“ Eliten sind gut und wichtig -  vorausgesetzt, man tut dies um Verantwortung für andere zu übernehmen. Und nicht nur, um das eigene Ego zu kitzeln. Oder eben später der Held sein zu wollen.

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3 Kommentare wurden bereits abgegeben

  • 3.  
    schrieb am 19.08.2010 10:14

    Hey Jan,

     

    ich frage mich trotz allem, was so richtig die Schlussfolgerung ist. Das pinke Poloshirt ist nicht auf Privatschulen begrenzt und die Abgrenzung in Zugehörigkeiten geschieht im säkularen Bereich genauso schnell wie auf dem Christival, wenn die erste Frage ist in welche Gemeinde man geht.

     

    Aber wollen wir da stehenbleiben? Nein, du musst viel weiter hinaus gehen. Das kann in Richtung Gerechtigkeit gehen - Chancengerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit etc. oder du nimmst dir das Thema Vertrauen und Angst vor: warum geben denn heute Eltern in Ballungsgebieten schon 1.000 EUR für einen Krippenplatz aus? Damit das Kind schon gut vorbereitet ist für die Grundschule. Die will aber auch gut ausgewählt sein, weil da ja die Empfehlung fürs Gymnasium kommen muss. Und erstmal auf dem Gymnasium geht ohne gutes Abi nix (und eigentlich ist ein High-School Jahr Pflicht, wenn man an die Internationalität denkt). Aber auch mit gutem Abi heißt es nicht, dass man auf eine gute Uni kommt - oder auf eine gute Privatuni. Also auch da Unsicherheit. Erstmal im Bachelorprogramm stellen dann viele fest, dass nur 30% (wenn überhaupt) der Bacherlors einen Masterstudienplatz bekommen. Und mit fertigem akademischem Abschluss muss man dann nur noch einen guten Job finden, den auch behalten und hoffen, dass kein up-or-out Prinzip herrscht.

     

    Und jetzt kommen wir Christen und finden darauf keine Antwort? Hey Jan, DAS ist das starke Feld von Christen! Zurechtrücken und Orientierung geben - glaub mir, die Unsicherheit ist schon gesät, da brauchen wir nicht denken, dass die blanke Fassade der Bürgerlichkeit noch hält...

  • 2.  
    schrieb am 18.08.2010 16:24

    Hi, Dossier! Ich recherchiere als Journalist. Zum Thema waren das diverse Privatschulen, darunter Salem, St. Gallen und eine internationale Schule in Hannover.

  • 1.  
    schrieb am 18.08.2010 16:00

    woher stammen denn die Beispiele? Sind die aus einem bestehenden anderen Artikel oder sind das deine Bekannten?

     

    Und sind die 6 Zeilen Schlussfolgerung das einzige, was du aus den Beispielen folgst? Dann ist das eher so ein Erfahrungsbericht, oder?

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