Die Gesellschaft und der Amoklauf
Ein Jugendlicher geht in die Schule. Er hat Waffen bei sich. Er stürmt scheinbar wahllos in Klassenräume, Sekretariat und Lehrerzimmer. Er schießt um sich. Er verletzt und tötet. Am Ende gibt es auch für ihn kein Entrinnen mehr. Er selbst ist sein letztes Opfer.
Die große Leere
Solche Szenen häuften sich in den letzten Jahren immer öfter. Am Anfang war man geneigt, solche Grausamkeit noch in die USA zu verbannen, weit weg vom eigenen Leben, vom eigenen Alltag. Aber spätestens seit Erfurt und Winnenden wissen wir: Es gibt keine Distanz mehr zwischen uns und den Orten, wo solches vorher schon geschah. Auf einmal ist es grausame Realität. Unzählige Familien trauern über ermordete Töchter und Söhne. Jugendliche verlieren ihre Freunde im Kugelhagel eines Mitschülers. Wut auf den Täter, Trauer und eine unglaubliche Verzweiflung bleiben zurück.
Zwischen Verzweiflung und Counterstrike
Aber wie geht unsere Gesellschaft eigentlich mit Amokläufen um? Die Medien stürzen sich darauf. Klar. Aber oft sind sie oberflächlich. Killerspiele als der Ursprung des Amoklaufs? Gewaltvideos als Anreiz? Warum fragt niemand: Was haben wir eigentlich falsch gemacht? Warum sieht ein junger Mensch keinen Ausweg mehr? Wie konnte solche Verzweiflung und solcher Hass entstehen? Die Antwort, die wir als Gesellschaft finden müssen, hat nichts mit Gesetzen über Killerspiele zu tun. Wir müssen anfangen, nach dem Grund von Verzweiflung, Wut und Einsamkeit zu suchen. Wir müssen anfangen zuzuhören. Der Schockrocker Marylin Manson antwortete auf die Frage, was er zu den Amokläufern von der Columbine Highschool sagen würde, wenn er die Gelegenheit hätte, jetzt mit ihnen zu sprechen, folgendes: „I wouldn't say a single word to them, I would listen to what they have to say and that's what no one did.“
Kommentare Bisher wurden 7 Kommentare geschrieben
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7.schrieb am 03.05.2009 18:48
Das Foto zu diesem Artikel fand ich auch sehr gut, es trifft eine Grundfrage die ich immer wieder von viele nicht-Christen gestellt bekomme: "Wo war den Gott?". Das ist wieder diese typische "es gibt keinen Gott" Einstellung unserer Gesellschaft.
Weiterhin fordert das Plakat uns Christen selbst, denn wir sind Gottes Werkzeuge, die nicht wie andere auf Gottes Handeln warten, sondern auf seine Worte hören und sich von ihnen leiten lassen.
Amokläufe haben eigentlich rein gar nichts mit Gewalt in den Medien zu tun. Die besorgniserregende Zunahme sorgt dafür, dass wir verdummen und unseren Geist damit abstumpfen. Solche Dinge zeigen die Moral einer Gesellschaft und die ist wohl in unseren Tagen nicht die beste.
Die Politiker nehmen sogenannte "Ballerspiele" als Vorwand, als den Übelfaktor den es zu bezwingen gilt. Damit sind sie fein raus, da sie sich dem wahren Problem nicht stellen müssen. Die Wurzel des Übels ist unsere, wie auf der mission-net so schön beschriebene postmoderne Gesellschaft. Die Politiker können nicht Kritik an einer Gesellschaft üben ,die sie wählt. Noch weniger haben sie den Mut ihren nächsten oder sich selbst anzuklagen, denn sie schauen weg und tun nichts. Außerdem müssten sie ja das "System" in Frage stellen, weil es verpasst hat negativen Einflüssen entgegen zu wirken oder diese abzufangen. Die Folge ist das wir Teil eines Haufens von zügellosen Wilden sind, die nur nach ihren Gefühlen, nach ihren Trieben leben. Das tun wir als Christen genauso, aber wir haben Grenzen, weil wir an einen Gott glauben, bei dem die Nächstenliebe ganz oben steht.
Der Werbeslogan von Saturn "Geiz ist geil" ist nur zu passend für unsere Gesellschaft. Wir sind egoistisch und sind meist nur aufs eigene Wohl aus. Wir kümmern uns um nichts mehr, wir tun gerade das wozu wir Lust haben. Da wundere ich mich noch über die Mentalität mancher deutscher Bürgern , die es sich ja „geradezu antun“ Kinder zu bekommen (Kinder sind ja aus der Sicht unserer Gesellschaft ein Ballast und vermießen einem das schöne Leben) und dann wird noch von ihnen gefordert ihre Kinder zu erziehen. Sie sehen sich da eindeutig überfordert, weil es ja das Leben zu genießen gilt.
Und so wird aus dem unschuldigen Bengel, der selbst damals schon so brav war, irgendwann der Abschaum der Gesellschaft. Er hat einfach auf "nix Bock" und lebt lieber von Harz IV als arbeiten zu gehen und sich anzustrengen..
Natürlich ist das Beispiel etwas extrem und hochgegriffen, aber die Tendenz in diese Richtung ist stark und in gewissen Schichten schon real. Selbst Gymnasiasten sind schon sehr gut mit dieser Lebensvorstellung vertraut, und leben leider diese "null Bock- Methode" aus.
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6.schrieb am 17.04.2009 00:30
das problem an der sache ist die anteilnahmslosigkeit die sich langfristig breit macht. es ist doch so das man sowas mittlerweile liest und dann weiter frühstückt. alles hat ne perspektive von ein paar tagen. und so arbeiten politiker und eltern leider auch. so werden dann die kinder vor dem pc abgeladen und ihrem frust und schmerz überlassen. und bevor man über schulsysteme oder familienpolitik redet verbietet man lieber pc spiele. is ja auch viel einfacher. da is die lobby kleiner als wenn ich den steuerhinterziehern was wegnehme um schulbücher zu kaufen und niedrigverdienern 2 stunden mehr am tag mit den kindern zu spendieren.
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5.schrieb am 16.04.2009 10:28
Ich finde es zunächst gut, dass die Politik mit härteren Waffengesetzten reagiert. Du wirfst viele Fragen auf. Ich glaube nicht, dass Ballerspiele der Hauptgrund ist. Es lässt sich nur sehr einfach mit dem Thema verbinden. Man kann nicht alle Menschen "retten". Mich interessiert hauptsächlich die Frage: Wo kommt die Waffe her? Wären Waffenhalter verantwortlicher und Waffen allgemein nur sehr schwer zugänglich, wäre hier nicht von einem Massenmord die Rede.
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4.schrieb am 24.03.2009 14:43
Ich persöhnlich sehe die Ursache solcher gewaltbereiten Jugendlichen weniger in Killerspielen und -videos, sondern eher in einer Verwahrlosung oder anders, an der (mangelnden) Erziehung, wenn sich Eltern nicht die Bohne darum scheren, was mit ihren Kindern passiert, was sie bewegt, sich keine Zeit für sie nehmen. Ich glaube, das fehlt in Deutschland.
lg
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3.schrieb am 21.03.2009 21:24
Ich bin Jahrgang 1949. Zurückweisung und Mobbing in der Schule gab es zu meiner Schulzeit auch schon. Was macht den Unterschied? Für mich ist die Erklärung, dass Gewalt damals kein Thema war. Kein Thema in der Zeitung, kein Thema im Fernsehen. Gewalt war auch kein Thema in Kino-Filmen und auch nicht in der "Unterhaltungs"-Musik. Dass es keine Computerspiele gab ist eh klar. Was auch klar war - dass man andere Menschen achten muss, dass Kinder nicht abgetrieben werden.
Es gibt viele Dinge aus der Zeit, die ich nicht wieder haben möchte, auch viele der damaligen "Werte". Aber die Rückkehr zu den Werten, die uns das Evangelium lehrt, wünsche ich mir schon.
Das Foto über dem Artikel finde ich sehr gut in seinem Dialog. Es geht um unser Versagen.





