Die Gehälter der Stars

Gehalt ist ein sensibles Thema. Es eignet sich wunderbar, um diverse Ungerechtigkeiten festzustellen: Wenn Politiker ihre Diäten erhöhen, wenn Manager und Banker trotz Krise Millionen scheffeln, wenn Frauen nach wie vor weniger verdienen als Männer. Als vor kurzem bekannt wurde, dass Monica Lierhaus 450.000 Euro pro Jahr für Moderatorentätigkeiten bei der ARD-Fernsehlotterie bekommen soll, gab es viel Empörung. Das ist mehr, als unsere Bundeskanzlerin bekommt. Sind so übermäßig hohe Gehälter gerechtfertigt? Und wie kommen sie zustande?
  • Monica Lierhaus wirbt für ihren neuen Arbeitgeber. Foto: ARD Fernsehlotterie

 

Wie kommen Gehälter zustande?

Die Faktoren für Gehälter sind im Grunde immer gleich: Hohe Einstiegshürden, viel Berufserfahrung, ein hoher Gefahrenfaktor, viel Verantwortung und hohe Qualifikation werden grundsätzlich gewürdigt. Dazu kommt das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage sowie die Anzahl vergleichbarer Jobs. Diese Faktoren sind in gewissem Maß selbst beeinflussbar. Andere Faktoren, wie Faktoren, gute Beziehungen oder ein großer Name, sind nur bedingt beeinflussbar.

Nimmt man diese Faktoren zusammen, erklären sich viele Gehälter von selbst. Bei Promis, also Personen, die im öffentlichen Interesse stehen, funktionieren Gehälter nach ungefähr dem gleichen Prinzip. Ein Christiano Ronaldo verdient halt mehr, als ein 20-jähriger Ersatzspieler einer 3.-Liga-Mannschaft. Angebot und Nachfrage sprechen hier extrem für den Fußballer. Es gibt wohl keine Mannschaft auf der Welt, die ihn nicht gerne in den eigenen Reihen hätte. Und es gibt nur eine handvoll Sportler, die ähnliches leisten können wie er. Ob diese Fähigkeiten so viel höher zu bewerten sind, als etwa die enorme Verantwortung, die Frau Merkel trägt, ist eine andere Frage.

Gehälter als Teil der Wirtschaft

Gehälter sind außerdem immer Teil der Wirtschaft und nur was auf der einen Seite hereinkommt, kann auf der anderen Seite ausgezahlt werden. Mit Kindergärten und Jugendhäusern wird kein Geld verdient - ein Grund, warum Erzieher oder Sozialarbeiter trotz langer und anstrengender Ausbildung sehr wenig verdienen.

Natürlich mutet es seltsam an, wenn einzelne so viel Geld verdienen. Und es gibt sicherlich genügend gutbezahlte Jobs, bei denen man die oben genannten Faktoren nicht so einfach bestimmen kann. Dass es niemand anderen geben soll, der Monica Lierhaus' Job genauso gut und für weniger Geld macht, ist kaum denkbar. In diesem Fall zieht ihr Name, dann sie war/ist eine angesehene Moderatorin mit einer berührenden, eindrucksvollen Geschichte. Vor ihrer Krankheit hätte sie bei der ARD mehr als das doppelte verdient. Nun hat ihr Arbeitgeber ihr wieder einen Vertrag über weniger als die Hälfte angeboten.

Jammern auf hohem Niveau

Würde sich Frau Lierhaus darüber beschweren, wäre das freilich Jammern auf sehr hohem Niveau. Zumal eine solche Summe auch deshalb seltsam anmutet, weil die die Moderatoren der ARD durch unsere GEZ-Gebühren bezahlt werden. Bei Monica Lierhaus ist dies jedoch anders, denn ihr Gehalt wird angeblich vom Marketingetat der ARD-Fernsehlotterie genommen – und das bei einer Sendung mit an sich wohltätigem Zweck. 

Gut ist, dass wir immer noch Teil einer relativ direkten Demokratie sind. Man könnte also zukünftig darauf verzichten, Lose zu kaufen oder aber Frau Lierhaus per Brief auf die Umstände hinweisen. Freilich könnten Vielverdiener wie Lierhaus aber auch selber auf den Gedanken kommen ihr Geld sozial gerecht anzulegen, also zu spenden. Genauso könnten Firmen und Fußballvereine auf den Gedanken kommen, sich nicht auf so übermäßig hohe Gehälter einzulassen oder sich sozial zu engagieren. Allerdings: genau das passiert ja längst, macht aber keine so große PR, wie Rekord-Transfers.

Macht Geld glücklich?

Der bittere Beigeschmack bleibt. Zu hohe Gehälter sind unmoralisch. Kein Mensch braucht dieses Geld. Die Frage ist, wo die Grenzen zu setzen sind. Die Universität Princeton fand heraus, dass Geld durchaus glücklich mache. Ab einem Jahresgehalt von etwa 60.000 bis 70.000 Euro gäbe es aber keine relevante Steigerung mehr. Bei Summen jenseits der 70.000 Euro spielen folgerichtig andere Faktoren, zum Beispiel Prestige und Neid (in der Politik z. B. auch Korruptionsschutz) eine Rolle. Prestige, Neid, Exklusivität und auch Korruptionsschutz funktioniert ausschließlich über Verhältnisse. Die eigentlichen Summen sind nicht wichtig.

Vor Neid und Prestigegelüsten (also den Neid anderer auf sich zu ziehen) ist allerdings niemand gewappnet, auch nicht, wer deutlich unter 70.000 Euro pro Jahr verdient. Da wird es Zeit, sich selbst zu prüfen. Schließlich gehören viele, vielleicht sogar die meisten von uns, zu den reichsten Menschen der Welt. Was mache ich denn, um der Ungerechtigkeit entgegenzuwirken, von der ich selber profitiere? Wer kritisiert, selber aber nichts unternimmt, wird unglaubwürdig.

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