Die beste Jugendpredigt 2011
Er ist der beste Nachwuchsprediger Deutschlands – findet die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD): Sie kürte den 20-jährigen Studenten Tim Dornblüth aus Halle/Saale kürzlich zum Gewinner des erstmals veranstalteten Wettbewerbs „Jugend predigt“. Mit seiner Predigt zur Jahreslosung 2011 „Lasst euch nicht vom Bösen überwinden, sondern überwindet das Böse mit dem Guten“ (Römerbrief 12, 21) hatte er sich gegen 35 andere Jugendliche durchgesetzt. Hier ist sein Sieger-Text:
Ich persönlich, ich habe ja meine Eltern noch nie angelogen. Und wenn mich einer in der Schule gedisst hat, habe ich nie zurück gedisst, ich habe immer gesagt: „Jesus liebt dich, mein Bruder!“. Wenn ich ein Dessous-Model auf 'nem Werbeplakat sehe, dreh ich mich auch immer gleich zur Seite und bete das Vaterunser, damit ich nicht auf schlechte Gedanken komme. Und ich bin auch nicht der Typ, der sich mit seiner Freundin streitet; meine Freundin und ich, wir streiten uns praktisch nie. Wir haben höchstens mal 'n paar kleine Meinungsverschiedenheiten, aber selbst dann lasse ich mich gern von ihren Argumenten überzeugen.
Menschen sind doch alle gleich
Mal ehrlich: Habt ihr mir das gerade echt geglaubt? Es ist doch so: Menschen sind doch alle gleich – alle gleich große Arschlöcher. Ich erinnere mich da an meine Schulzeit vor ca. einem Jahr: In der Klasse für ostdeutsche Verhältnisse extrem viele Christen, evangelische, katholische, gut gemischt. In dieser Klasse ein Mobbing-Opfer. Ein Mensch, der ausgegrenzt wurde, weil er irgendwie nicht ins Raster passte. Ein schlaksiger, dürrer Mitschüler von mir; immer etwas seltsam angezogen; kam so auch zu jedem Mottotag in der Abiwoche, und als das Thema „Badtaste“ dran war, meinten manche: „Du hast dich heute aber gut verkleidet!“. Dicke Nickelbrille auf der Nase, hinter der sich weit aufgerissene Augen versteckten, Augen voller Anspannung, voller Angst vor der nächsten Attacke seiner so genannten „christlichen“ Klassenkameraden.
Von allen verachtet – auch von Christen
Der brauchte lange, um überhaupt einen verständlichen Satz rauszubringen, und wenn dann einer kam, diente der meistens eher der allgemeinen Belustigung als der wirklichen Kommunikation mit andern. Ein Mensch, ständig im Abseits, von allen verachtet, ausgestoßen, mit dem gab „man“ sich nicht ab, außer um ihn runterzumachen, zu beschimpfen, ihm Tag für Tag vor Augen zu führen, wie minderwertig er sei. Und dabei waren katholische und evangelische Christen mit den Nicht-Gläubigen in seltener Einigkeit.
„Jesus seine First Homies“
„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“. Das Beispiel kommt mir jedes Mal in den Sinn, wenn ich diesen Bibelvers höre: Christen, die sich ihrer Umwelt schon so weit angepasst haben, dass man keinen Unterschied mehr zu anderen merkt. Aber ich denke bei dieser Jahreslosung auch nicht nur an solche Christen. Ich denke auch an Christen, die „Jesus seine First Homies“ zu sein schienen. Die offenbar alles richtig gemacht haben.
Ich erinnere mich da an einen, auch aus meiner alten Klasse, der jedes Gebot halten wollte. Der sich auf die Fahnen geschrieben hatte, alles, was in der Bibel steht, zu befolgen. Gib dich selbst auf, opfere dich, halte alle 10 Gebote, lebe so, dass sich jeder ein Vorbild an dir nehmen kann. Hoffe, wache, bete, denn Gott sieht alles. Alles. Nun, erst wurde er zu einem überheblichen Fanatiker, der so perfektionistisch war, dass er für seine Mitmenschen unerträglich wurde. Dann landete er in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Als er nach einem halben Jahr Therapie wieder entlassen wurde, stand er vor dem Nichts, wusste nicht mehr, wonach er sein Leben eigentlich überhaupt noch ausrichten konnte, jetzt, wo er mit seinem früheren Lebenskonzept so grandios gescheitert war.
Scheitern am perfekten Ideal?
Wonach soll ich denn eigentlich leben, wonach kann ich denn eigentlich noch leben? Soll ich es machen, wie alle andern auch, mich der Mehrheit anpassen, um selbst nicht dran zu sein, und dieses ständige Spiel von Ausgrenzung, Mobbing und seelischer Gewalt einfach mitspielen? Oder soll ich alles strikt befolgen, was in der Bibel steht, jedem alles recht machen, weil Gott alles sieht? Und dann damit auf ganzer Linie scheitern, weil der Druck, der damit auf mir lastet, irgendwann unerträglich wird? Weil ich kaputt gehe am perfekten Ideal, das ich einfach nicht erreichen kann, egal wie sehr ich mich anstrenge? Weil ich mir nicht mehr selbst vergeben kann und damit jeden Neuanfang konsequent blockiere?
„Fang endlich an zu leben“
Oder... gibt es vielleicht doch noch eine dritte Lösung, wenn die andern beiden Strategien scheitern? Gibt es sozusagen einen Plan C? Und falls ja, kann ich mir diesen Plan C selbst zusammenbasteln, wie die anderen beiden Konzepte auch? Aber wie soll ich das tun, als Einzelner, mit meinen ganzen Schwächen, die mich immer wieder zurückwerfen? Oder... könnte ich mir Plan C vielleicht von jemandem schenken lassen, der im Pläneschmieden sowieso viel besser ist als ich? Von jemandem, der mich akzeptiert, wie ich bin, mit allen meinen Schwächen, und mich immer wieder zum Neuanfang ermutigen möchte? Jemand, der auf der einen Seite sagt: „Du hast es nicht nötig, dich der Mehrheit anzupassen! Weil du zu mir gehörst!“ Der aber auch sagt: „Hey, du bist nun mal nicht perfekt, aber das ist ok für mich, und deine Fehler von früher sind vergessen! Fang noch mal von vorn an! Und fang vor allem endlich an zu leben. Wirklich zu leben!“.
Dieser Jemand ist Gott für mich. Und Seine Vergebung ist Sein Plan C für mich.
Mehr Infos über den Wettbewerb „Jugend predigt“ gibt es beim Veranstalter – dem Zentrum für evangelische Predigtkultur.
Kommentare Schreib den ersten Kommentar zu diesem Beitrag


