Der YouCat – Den Glauben jugendlich befragt
„Ihr müsst Euren Glauben so präzise kennen, wie ein IT-Spezialist das Betriebssystem eines Computers“: Das und nicht weniger fordert der Papst von der christlichen Jugend in seinem flammenden Einleitungsappell im „YouCat“. Doch an der jugendgemäßen Version des Katholischen Katechismus waren nicht nur hohe Geistliche beteiligt, sondern auch 65 Jugendliche selbst. Die Lektüre des Altbewährten in neuem Glanz offenbart vor allem eines: Die Botschaft des Evangeliums ist aktuell wie nie zuvor.
„Lasst nicht nach in Eurem Eifer, lasst Euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn!“ zitiert Papst Benedikt XVI. schon im Vorwort aus den Römerbriefen. Eifer? Vom Geist entflammen? Dienen? Wovon redet der alte Mann da?
Konträr zum Zeitgeist - und gerade deswegen aktuell
Es war wohl niemals schwieriger als heute für Jugendliche, moralisch Fuß zu fassen in einer Zeit, in der alles relativ ist und jede Unterteilung in „Gut“ und „Böse“ als intolerantes Schwarz-Weiß-Denken gedeutet wird. Nichts scheut der Zeitgeist mehr als feste moralische Pfeiler, als klare Wertvorstellungen oder noch „schlimmer“: Glaubensüberzeugungen.
Wer als Jugendlicher also dergleichen sucht, ohne diesbezüglich eine familiäre „Vorgeschichte“ zu haben, steht erst einmal allein da. In diese Lücke will der „YouCat“ eintauchen - eine jugendtaugliche Version des Katholischen Katechismus. „Er macht es Euch nicht leicht. Er fordert nämlich ein neues Leben von Euch“ warnt der Papst im Vorfeld jeden, der unanstößige Feel-Good-Theologie mit garantiertem Rosamunde-Pilcher-Faktor erwartet.
Kein Moralisieren
Der Jugendkatechismus präsentiert ungeniert die katholische Lehre in Bezug auf jede noch so kontroverse Frage wie Abtreibung oder Promiskuität, ohne dabei allzu moralisierend zu werden. Er holt den jugendlichen Leser dort ab, wo er ist. Er beschäftigt sich mit alltäglichen Dingen wie dem Gewissen, Schuld und Reue, dem Beten, dem familiären Zusammenleben oder der Gesellschaft im Ganzen.
Weniger theologische Fachvokabeln
Der „YouCat“ bringt auf den Punkt statt zu verwässern. Er präsentiert sich in moderner Sprache – ohne zur Comicbibel oder zum „Street Evangelium“ zu verkommen. Wer einen „Volxkatechismus“ erwartet, wird enttäuscht sein. Der „YouCat“ ist quasi der kleine Bruder des Katechismus der Katholischen Kirche, kommt aber mit weniger theologischen Fachvokabeln aus. Sogar Kenner der „Erwachsenenversion“ dürften gelegentlich überrascht sein: In „normalem“ Deutsch formuliert wird aus so manch vermeintlich antiquiertem Gebot eine wertvolle Tugend, wird aus abstraktem Psalm eine lebensnahe Weisheit.
Unterteilt ist das Werk in dieselben vier Großkapitel wie das Original: „Was wir glauben“, „Wie wir die christlichen Mysterien feiern“, „Wie wir in Christus das Leben haben“ und „Wie wir beten sollen“. Insgesamt 527 Fragen widmet sich der Jugendkatechismus, die mal knapp, mal besonders ausführlich, immer jedoch strukturiert und verständlich, in kurzen Abschnitten beantwortet werden.
Auch als „Evangelium to go“ geeignet
Trotz durchdachter Strukturierung bauen die einzelnen Fragen nur selten aufeinander auf. Vielmehr lässt sich der Katechismus immer mal wieder für ein paar tiefsinnige Fragen aufschlagen, um anschließend mit dem Alltagstrott fortzufahren. Das Tolle daran ist: Nie werden die Antworten des Katechismus zu schnöden Kalenderweisheiten. Aus jeder Frage geht man spirituell und intellektuell reicher hinaus, als man hineingegangen ist.
Der „YouCat“ eignet sich also nicht nur zur konzentrierten Lektüre über Stunden hinweg, sondern auch zum „Evangelium to go“, welches immer mal wieder „zwischendurch“ herangezogen werden kann.
„Sag nicht: Ich bin noch so jung“
Die immense Bedeutung eines jugendlichen Christentums fasst Papst Benedikt XVI. dabei geradezu kämpferisch zusammen: „Ihr müsst im Glauben noch tiefer verwurzelt sein als die Generation Euer Eltern, um den Herausforderungen und Versuchungen dieser Zeit mit Kraft und Entschiedenheit entgegentreten zu können.“ Er ruft die Geschichte des jugendlichen Jeremias ins Gedächtnis: „Sag nicht: Ich bin noch so jung. Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden“ spricht Gott zum jungen Jeremia.
Nicht nur für Theologie-Studenten
In diesem Sinne ist der „YouCat“ kein Manifest, dass sich nur an Theologie-Studenten und solche, die es noch werden wollen, wendet. Er richtet sich an jeden jugendlichen Christen mit „Durst auf mehr“. Eine klare Kaufempfehlung!
„YOUCAT DEUTSCH: Jugendkatechismus der Katholischen Kirche: Katholischer Jugendkatechismus“, gebundene Ausgabe, 304 Seiten, Pattloch Verlag, 12,99 €, ISBN 9783629021946
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