Der Ruhepol im Alltagsstress
Seit Jahren schon stellen sich Kirchen und Gemeinden immer wieder eine Frage: Wie können wir die Jugend erreichen? Vielerlei Konzepte dachte man sich in endlosen Besprechungen aus, Kongresse wurden abgehalten, Zeltevangelisationen mit tausenden von Besuchern gefeiert. Kletterparks, Kinosäle und Kegelbahnen wurden von Jungschar- und Jugendgruppen unsicher gemacht. Man scheut also weder Kosten noch Mühen um die Jugend an die Gemeinden zu binden. Doch wie nachhaltig ist diese „We love to entertain you“-Strategie eigentlich?
Der Alltag der Jugendlichen ist heutzutage von morgens bis abends durchgeplant. Schule, Ausbildung oder Studium fordern Aufmerksamkeit - weit mehr als früher. Den Hobbys will nachgegangen sein und auch Freunde und Bekannte dürfen nicht zu kurz kommen. Der junge Mensch ist hin- und hergerissen zwischen all seinen Verpflichtungen und Terminen. Für Glauben und Zeit mit Gott scheint von vorneherein weniger Raum zu sein als noch vor einigen Jahren zu.
Der „Anker in der Zeit“
Die Frage muss also lauten: Wie kann man christlichen Glauben und eine Beziehung zu Jesus vermitteln ohne noch mehr zu fordern? Unterhaltung und noch mehr Programm können nicht das Maß aller Dinge sein. Die Musikgruppe Silbermond beschrieb 2009 ein Phänomen, das sicherlich viele Jugendliche kennen: Die Sehnsucht nach Ruhe und Kontinuität. In einer Textzeile des Liedes „Irgendwas bleibt“ der Band aus Bautzen heißt es: „Hol mich aus dieser schnellen Zeit / Nimm mir ein bisschen Geschwindigkeit.“ Hier müssen Kirchen, Gemeinden und Jugendgruppen ansetzen. Statt noch mehr Action zu bieten, sollte Glauben als Ruhepol vermittelt werden. Als etwas, das immer Bestand hat, wie eine Insel in einem Meer, auf die man sich immer wieder zum Krafttanken zurückziehen kann, wie der viel besungene „Anker in der Zeit.“
Echte Nähe statt Oberflächlichkeit
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage nach Authentizität und Ehrlichkeit. In einer Zeit, in der viele junge Menschen ihre sozialen Kontakte tagtäglich über Facebook und andere soziale Netzwerke pflegen, ist es wichtig, einen Gegenentwurf vorzulegen. Keine Internetfreundschaft der Welt kann echte, nicht-virtuelle Kontakte ersetzen! Auch hier kann die gemeinsame Jugendstunde, der gemeinsame Gottesdienst eine Basis für Nähe und Zwischenmenschlichkeit schaffen. Denn ein „offenes Ohr“, ein gutes Gespräch und vielleicht sogar den Rat eines Älteren wissen natürlich auch junge Menschen zu schätzen.
Die Botschaft zählt
Es gilt auch hier: „Weniger ist manchmal mehr.“ Gegen ein schönes Rahmenprogramm ist sicher nichts einzuwenden. Aber das, was wirklich zählt - unser Glaube an Jesus und die Möglichkeit, den geistigen Akku wieder aufzuladen - muss im Mittelpunkt heutiger Jugendarbeit stehen. Kirche ist nicht attraktiv wegen der Rockband auf der Bühne, der Cocktailbar im Keller des Gemeindehauses und der drei Freizeiten im Jahr, sondern einzig und allein durch die Botschaft, die wir verkünden dürfen.
1 Kommentar wurden bereits abgegeben
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1.schrieb am 23.03.2011 21:49
Hallo Laura,
da kann ich Dir nur zustimmen. Events sind sicherlich wichtig, aber letztendlich zählt nur die Botschaft.
Die Highlights werden kommen und gehen. Sicherlich kann eine coole Party, die ein Jugendkreis veranstaltet, richtig gut sein und auch kirchenfremde Jugendliche anziehen. Das ist auch OK.
Trotzdem darf darüber hinaus nicht vergessen werden, dass Christen den Auftrag haben, Gottes Wort weiterzusagen und mit ihrem Leben Zeugnis geben sollen.



