Der mühsame Kampf gegen die Armut

Es ist eines der größten Probleme der Gegenwart und damit eine der wichtigsten Herausforderungen der internationalen Politik: Rund 1,4 Milliarden Menschen leben in extremer Armut. Doch der Einsatz für weltweit bessere Lebensbedingungen ist nicht leicht. Politische Umstände, Umwelteinflüsse und die schleppende Umsetzung der Millenniumsziele erschweren die Hilfe.
  • Wird immer größer: Die Schere zwischen Armen und Reichen. Bild:dpa

 

Durch die Hungersnot in Ostafrika ist das Thema Armut wieder verstärkt auf die Agenda der Tagespolitik getreten, aber auch in den Köpfen der Menschen. Kaum ein Medium, dass nicht über die Katastrophe berichtete, der die Menschen am Horn von Afrika ausgesetzt sind. Hilfsorganisationen riefen Mitte des Jahres zu Spenden für die Notleidenden auf, Fernsehshows widmeten sich dem Thema, private Gruppen sammelten für die Opfer der Dürrekatastrophe.

Die Situation verschlechtert sich immer mehr

Der kürzlich veröffentlichte Weltkatastrophenbericht der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) zeigt: Spekulativer Rohstoffhandel, starkes Bevölkerungswachstum, Klimawandel und vor allem der Rückgang einheimischer Agrarproduktionen tragen zur Verschlechterung der Situation in betroffenen Ländern bei. Was für die westliche Welt zum Alltag gehört, wirkt sich umso negativer auf die Ärmsten der Armen aus: Wirtschaft, Profit und Handel.

Die Nahrungsmittelpreise steigen an

Armut und Hunger hängen unmittelbar zusammen. Jedes Jahr sterben rund drei Millionen Kinder unter fünf Jahren an den Folgen der Unterernährung. Laut Hilfsorganisationen sei die Ursache nicht die Hungersnot, sondern der chronische Hunger, mit dem die Menschen in Armutsregionen täglich zu kämpfen hätten. Doch gerade Hungersnöte verschlimmerten die Situation drastisch, da betroffene Länder meist nicht auf Katastrophen vorbereitet seien und keine Reserven ansammeln könnten.

Aufgrund einer weltweit ansteigenden Preisentwicklung fordern die IFRC, Spekulationen mit Nahrungsmitteln zu unterbinden. Dies habe in erster Linie Auswirkungen auf die ohnehin schon stark betroffenen Gebiete. „Es ist nicht hinnehmbar, dass ein Händler in London oder New York entscheidet, ob ein Vater in einem Land wie Indien es sich leisten kann, seine Kinder zu ernähren“, sagte Bekele Geleta, IFRC-Generalsekretär. Er fordert stärkere Investitionen in die landwirtschaftliche Nahrungsmittelproduktion. Die Nahrungsmittelpreise kämen den „alarmierenden Höhen der Krise von 2008 wieder näher“.

Umstände vor Ort behindern die Unterstützung

Inflationäre Preisentwicklungen gibt es derzeit auf Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais, Weizen, Zucker und Öl. In Kenia ist der Preis für Mais im vergangenen Jahr um 160 Prozent gestiegen. Für viele Menschen bedeutet das ein weiteres Absacken in die Armut. Schnelles Eingreifen wird von allen Seiten gefordert, Regierungen arbeiten an Unterstützungsprogrammen, Hilfe kommt jedoch meist zu spät.

Doch es ist nicht leicht, angemessen zu helfen. Hilfsorganisationen bereiteten sich bereits seit 2010 auf die Dürreperiode vor. Planungen und Durchführungen werden aber immer wieder erschwert. So herrscht in Somalia seit etwa 20 Jahren Bürgerkrieg, vor zwei Jahren hat die islamistische Al-Schabaab-Miliz alle ausländischen Hilfsorganisationen aus dem Süden des Landes verbannt. Die Vereinten Nationen (UN) haben deshalb kaum Möglichkeiten, die Hilfebedürftigen und Notleidenden zu unterstützen.

Die Armut ist noch immer zu hoch

Im Jahr 2000 haben die UN die „Millenniumsentwicklungsziele“ entworfen. Mit dem Dokument haben sich 189 Nationen dazu bereit erklärt, die Armut weltweit bis 2015 zu halbieren und darüber hinaus wichtige Aspekte und Ursachen von Armut zu bekämpfen. Obwohl die Staatengemeinschaft verabredet hat, die Umsetzung der Ziele regelmäßig zu überprüfen, zeigt sich rund vier Jahre vor der angestrebten Erfüllung ein sehr differenziertes Bild.

Zwar wurde Kindern der Schulbesuch ermöglicht, Frauen mehr Rechte zugesprochen, Hunger bekämpft. Doch die Maßnahmen reichen nicht aus, um die Ziele tatsächlich erreichen zu können. Immer noch lebt rund ein Fünftel der Weltbevölkerung von weniger als 90 Cent am Tag! Nur ein kleiner Teil der Industrieländer ist in der Lage, das angestrebte Programm erfüllen zu können, wie es auf der Webseite der „Micha-Initiative“ heißt, einer weltweiten Kampagne, die Christen zum Kampf gegen die Armut aufruft.

Prominente mahnen in TV-Spots

Um die Regierungen stets an ihren Auftrag zu erinnern, initiiert auch die Organisation „Deine Stimme gegen Armut“ immer wieder Aktionen, die zur Einhaltung der Millenniumsziele aufrufen. Hinter der Gruppierung stehen viele Prominente, die in TV-Spots für eine stärkere Unterstützung der Entwicklungsländer durch die Regierung werben. Sie mahnen die Entscheidungsträger. In ihren Botschaften machen Multiplikatoren der Organisation darauf aufmerksam, dass weltweit alle drei Sekunden ein Kind an den Folgen von Hunger und Krankheit stirbt. „Spielen Sie nicht auf Zeit!“, heißt es in einer Petition an die Bundestagsabgeordneten. „Erhöhen Sie Ihren Einsatz für mehr Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit.“

Der Staat verspricht Hilfe

Zwar titelt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Internet „Armut geht uns alle an“ und verspricht, sich gezielt für den weltweiten Kampf gegen das langwährende Problem einzusetzen. Doch den Worten „Gemeinsam handeln: Armut reduzieren“ fehlt bislang scheinbar eine strukturierte Umsetzung. Der Staat arbeite an einer leistungsfähigen Wirtschaft, die eine „entscheidende Voraussetzung für die Minderung der Armut in Entwicklungsländern“ sei, heißt es auf der Webseite des BMZ. Zusammen mit anderen Nationen trage man daher zu einem „breiten- und beschäftigungswirksamen Wachstum“ bei, welches den „Armen einen Weg aus der Einkommensarmut“ biete.

Bundespolitik steht unter ständiger Beobachtung

Doch einige Entwicklungsländer leiden gerade unter den ungerechten internationalen Handelsstrukturen und der enormen Schuldenlast, die die Spanne zwischen arm und reich nur vergrößern. Viele der bundespolitischen Vorhaben bezüglich der Armutsreduzierung stehen unter ständiger Beobachtung mehrerer Organisationen. Um die Milllenniumsziele zu erreichen, heißt es auf der Webseite von „Deine Stimme gegen Armut“, müsse die Entwicklungszusammenarbeit bis 2015 auf etwa 0,7 Prozent der Wirtschaftskraft steigen. „2010 betrug die deutsche Quote gerade mal 0,38 Prozent“, stellen Mitglieder der Kampagne fest.

Zahlreiche Organisationen und Initiativen leisten in den betroffenen Ländern direkte Hilfe. Sie sind in ihrer Arbeit auf Unterstützung angewiesen – von jedem einzelnen von uns.

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