Der Michael-Jackson-Wahn…

Der Tod des Popstars Michael Jackson beherrschte die Medien. Über kaum eine andere Person der neueren Geschichte wurde soviel berichtet, wie über den selbst ernannten "King of Pop". Als Idol verehrt, zeigt die Biografie des Musikers doch, wie er trotz allen Erfolgs mit sich selbst haderte: Zahlreiche Schönheitsoperationen ließ er über sich ergehen, um sich eine neue Identität zu schaffen. Zweimal war er dem Vorwurf des Kindesmissbrauchs ausgesetzt; einmal wurde das Verfahren nach einer Millionenzahlung von Jackson an den Kläger eingestellt, das andere Mal wurde der Künstler von den Geschworenen einstimmig freigesprochen. Wie soll mit dem "Wahn" um den Verstorbenen umgehen? idealisten.net fragte Personen, die selbst viel mit jungen Leuten zu tun haben, nach ihrer Einschätzung.

 

Über Werte ins Gespräch kommen

„Die weltweite Bestürzung über den Tod Michael Jacksons ist meines Erachtens mit seinem musikalischen Erfolg und der erfolgreichen Vermarktung dieses Künstlers zu begründen. Er hat wie kaum ein anderer mit seiner Musik den weltweiten Markt erreicht. Für mich ist diese weltweite Aufregung daher nicht überraschend. Ich denke, dass wir in naher Zukunft nicht so schnell eine musikalische Größe haben werden, mit der sich viele Leute auf der ganzen Welt identifizieren. Christen sollten die Trauer von anderen ernst nehmen und Verständnis dafür aufbringen. Gleichzeitig gibt der Tod Jacksons auch die Möglichkeit, über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Was sind deine Werte? Wonach richtest du dich aus? Das sind Fragen, die wir gerade jetzt jungen Leuten stellen können.“(Dieter Braun (Altdorf bei Böblingen), Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Jugendevangelisation und CVJM-Landesjugendreferent in Württemberg)

Auf der Suche nach Identität

„Michael Jackson hat ganze Generationen geprägt. Er war einfach ein guter Künstler und hat das erreicht, was sich viele junge Menschen erträumen: Internationalen Erfolg und Popularität. Wir sollten aber auch hinter die Fassade schauen. Wenn ich das mache, sehe ich einen Menschen, der ständig auf der Suche nach seiner Identität war. Er war quasi ein Blinder, der andere Blinde führte. Wenn wir ein wirkliches Vorbild für unser Leben haben wollen, müssen wir zu dem zurück, der uns Identität gibt: Jesus Christus. Von daher bietet der Tod Jacksons einen guten Anknüpfungspunkt für das Gespräch mit Nichtchristen. Wir sollten allerdings nicht polarisieren und die Leute verurteilen, die nun ihre Trauer öffentlich zum Ausdruck bringen. Stattdessen können wir die Fans fragen, woran sie ihre Identität festmachen. Jackson war für viele ein Idol – das ist Fakt. Aber er war wie eben jeder große Künstler eine unnahbare Person. Doch als Christen kennen wir jemanden, der weitaus Größeres geleistet hat und mit dem wir direkt in Kontakt treten können: Gott. Das gilt es, auch in diesen Tagen anderen weiterzusagen.“ (Stefan Lepp (Bad Liebenzell), Jugendreferent der Liebenzeller Mission)

Die Sehnsucht nach Vorbildern

„Ich finde diesen Hype um Michael Jackson zweifelsohne übertrieben. Aber er zeigt, dass es in der Gesellschaft eine Sehnsucht nach Vorbildern gibt. Gerade junge Leute suchen sich außergewöhnliche Persönlichkeiten, an denen sie sich orientieren können. Seine Aufstieg und sein Karriere sind sicherlich zu würdigen. Trotzdem ist Jackson für mich ein klares Beispiel dafür, wie ein Mensch trotz großen Erfolges innerlich leer bleiben und daran kaputtgehen kann. Offenbar war auch Jackson auf der Suche nach etwas, ohne wirklich zu finden, was seine Sehnsucht stillen konnte. Wir sollten uns diesem Phänomen stellen und nicht diejenigen verurteilen, die ihr Herz an den Popstar gehängt haben. Aber wir können fragen, wonach sich die jungen Leute eigentlich sehnen.  Und wir können darüber reden, dass Jesus viele unserer Sehnsüchte stillen kann . Dabei finde ich es wichtig, ehrlich zu sein, denn manche Wünsche bleiben auf der Erde noch unerfüllt - die absolute Erfüllung bekommen  wir erst im Himmel. (Julia Garschagen (Hannover), Reisesekretärin der Schüler-SMD)

Eine verzerrte Darstellung

„Was mich an dem Medienrummel an Michael Jackson irritiert ist die Tatsache, dass er wohl sterben musste, damit man wieder positiv über ihn spricht. Wie oft wurde in den letzten Jahren doch über ihn hergezogen. Die Presse hatte in den letzten Jahren kein gutes Haar an ihn gelassen. Nun ist er quasi vom Buhmann zum Idol geworden. Beides ist eine verzerrte Darstellung dieser Person. Natürlich kann man auch und gerade bei einem solchen großen Künstler in Nachrufen auf seine Leistungen hinweisen. Aber eigentlich ist das Leben von Jackson doch eine traurige Geschichte: Trotz des Ruhms und Erfolgs ist er schließlich an sich selbst zerbrochen. Wir könnten seinen Tod zum Anlass nehmen um zu überlegen, wie mein eigener Nachruf aussehen soll. Und wir sollten aus der Stimmungsmache für und gegen Jackson lernen: Es gilt, gnädiger miteinander umzugehen statt andere mit übertriebener Kritik in die Pfanne zu hauen. Da müssen auch wir Christen an uns arbeiten: Sowohl wie wir über solche Künstler reden, als auch über Leute in unserem direkten Umfeld.“ (Peti Bruderer (Frauenfeld bei Winterthur), Mitarbeiter in der Teeny- und Jugendarbeit von Chrischona Schweiz/Verantwortlich für das jährliche Jugendtreffen „CREA!“)

Keine Menschen vergöttern

„Ich finde es befremdlich, dass eine Person – die doch im Privatleben offensichtliche Probleme hatte – nach dem Tod nun so glorifiziert wird. Allerdings ist es nachvollziehbar, dass gerade Menschen, die für uns nicht nahbar sind, als Idole verehrt werden. Sie wecken unsere Träume nach Anerkennung, Schönheit und Glück. Im Gegensatz zu nahestehenden Personen werden ihre Fehler kaum wahrgenommen. Auch wenn der Tod Michael Jacksons in den Medien eine große Rolle spielt, habe ich nicht das Gefühl, dass unter den jungen Leuten eine große Betroffenheit herrscht. Für uns Christen sollte gelten, dass wir unseren Blick auf die Ewigkeit ausrichten. Natürlich können und dürfen wir uns auch über gute Musik freuen und den Künstlern unsere Wertschätzung entgegen bringen. Aber vergöttern sollen wir nur den, der es verdient: den dreieinigen Gott.“ (Matthias Spiess (Gossau bei Zürich), Jugendbeauftragter der Schweizerischen Evangelischen Allianz)

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