Der Kirchentag war jung!
40 % der Kirchentagsbesucher waren Jugendliche. In der Prager Straße, auf den Elbwiesen, dem Messegelände: Überall in Dresden tummelten sich junge Menschen mit großen Sonnenbrillen, grünen Kirchentagstüchern und christlichen T-Shirts. Wie erlebten sie das Großereignis?
Kostenlose Umarmungen
Vielleicht lag es an den vielen Herzen auf den Kirchentagslogos: „Free Hugs“ waren unter Jugendlichen der Renner auf dem Kirchentag. „Ich habe gestern bestimmt 50 Leute umarmt“, sagt Natalie (13). Sie ist von ihrer Mission überzeugt: „Free Hugs soll die Liebe auf der Erde vermitteln.“ Auch Melanie hält grinsend ein Holzschild in die Höhe. Ein junger Mann rennt strahlend auf sie zu, drückt sie kurz und geht dann weiter. Kostenlose Umarmungen sind für die 16-Jährige „eine Motivation, auf andere zuzugehen“.
Tanzen an der Elbe
Aber natürlich hatte der Kirchentag für Jugendliche noch viel mehr zu bieten: Für gute Stimmung sorgten zahlreiche Stars der christlichen Musikszene. Neben nationalen Größen wie den Wise Guys oder Samuel Harfst kamen auch internationale Stars nach Dresden, wie Nina Hagen, die amerikanische Reggae-Band Christafari oder die dänische Sängerin Aura Dione. Letztere trug Stirnband und funkelnde Leggings und brachte in der Dämmerung die ganze Menge zum Wave Dance. Da gingen die Hände hoch und die Stimmung stieg. Chillige Musik schallte über die Flutrinne an der Elbe und wer nicht tanzen wollte, konnte sich entspannt ins Gras legen und den Tag ausklingen lassen.
Ein lebendiger „Gesprächsautomat“
Viel Spaß gab es im „Zentrum Jugend“ Spielangebote zuhauf und auch die ein oder andere Ecke zum Entspannen. Und wer Lust auf einen ganz spontanen Plausch hatte, konnte am „Gesprächsautomat“ ein paar Knöpfe drücken. Annemarie (24) stand dann Rede und Antwort oder hielt auch mal einen Monolog zum Wetter. „Ich wollte sehen, was passiert und es gibt viele positive Reaktionen“, freut sie sich. Wenn Annemarie nicht gerade unter einem bemalten Pappkarton steckt, engagiert sie sich bei der Studentenmission Deutschland (SMD), die auf dem Kirchentag ein vielbesuchtes Schülercafé mit kostenlosen Getränken aufgebaut hatten.
Das Leben als Behinderter nachempfinden
Vor einem großen Zelt spielten vier Rollstuhlfahrer Basketball. Einer von ihnen konnte tatsächlich nicht gehen, die anderen drei probierten einfach aus, wie sich das Leben im Rolli anfühlt. Das Angebot kam von „Forum-inklusiv“. „Wir bemühen uns um inklusive Jugendarbeit – alle sollen mitmachen können“, sagt Erika Zipf-Bender, Referentin im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sie kritisiert, dass das auf dem Kirchentag nicht so einfach möglich sei, denn noch immer gebe es Barrieren. Zur Toilette beispielsweise führe nur ein Schotterweg – schwer passierbar mit einem Rollstuhl. Forum-inklusiv bot verschiedene Möglichkeiten, um das Leben als Behinderter nachzuempfinden. Ihre Botschaft: „Inklusive Jugendarbeit ist nicht schwer. Macht mit!“
Viele beschäftigt Umweltschutz
Zum Mitmachen forderte auch die Greenpeace-Jugend auf. Nach der AKW-Katastrophe von Fukushima war es kein Wunder, dass auch der Umweltschutz die Jugendlichen auf dem Kirchentag beschäftigte. „Fukushima hat viele junge Menschen aufgeschreckt, viele wollen bei Greenpeace mitmachen, uns auf Facebook befreunden oder bei Flashmobs dabeisein“, so Andi (19) von der Greenpeace Jugend. Fukushima habe gezeigt, dass „ein Atomunfall immer passieren kann“, fasst Andi die Sorge vieler Jugendlicher zusammen. „Wir sind hier, weil uns das selbst betrifft, und wir werben für eine Zukunft mit erneuerbaren Energien.“
Ins Gespräch kommen
Auch die großen christlichen Verbände mischten beim Kirchentag mit. „Entschieden für Christus“ (EC) hatte zwar diesmal keine eigene Bühne, lockte jedoch an seinem Stand im Messegelände mit einem Riesenjenga. Unter den Jugendlichen auf dem Kirchentag sei eine sehr lockere Stimmung, es gehe viel um Spaß, so Jörg Maushake, Leiter der EC-Öffentlichkeitsarbeit. Doch Jugendliche hätten auch existenzielle Nöte: Probleme mit den Eltern, Schwierigkeiten bei der Berufswahl und Stress in Beziehungen. „Es ist gut, wenn es offene Ohren gibt. Junge Leute gehen auch gerne zu Älteren“, sagt er.
Viele CVJM-Angebote
Der CVJM war mit einer ganzen Reihe an Angeboten dabei: Gottesdienste, Konzerte, Info-Stände. Bei „Ten Sing“ gab es immer mal wieder spontane Gesangseinlagen, daneben konnten die Jugendlichen auf einer großen Stellwand Fragen an Gott oder Meinungen zu den Aufgaben von Politikern loswerden. Ziel des CVJM: Mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen. 16 Ehrenamtliche des CVJM Bayern sorgten dafür, dass das Geschehen auf der Bühne am Altmarkt für jeden zu sehen war. Sie übertrugen die Veranstaltungen auf die Leinwand. Die 17- bis 25-Jährigen vom CVJM-TV-Team lernen das Handwerk direkt in der Praxis und stecken viel Herz in ihre Arbeit. Wie zum Beispiel Christian (18): „Das ist mein Hobby, das ich woanders nicht verwirklichen kann. Außerdem ist die Arbeit eine super Referenz für Bewerbungen.“
Maßgeblich zum Gelingen des Kirchentags trugen auch die rund 4.500 freiwilligen Helfer bei. Sie kamen hauptsächlich aus Jugendgruppen, von den Pfadfindern oder sogar als ganze Schulklassen. Sie wiesen den Weg, sammelten den Müll ein und betreuten die Künstler hinter der Bühne – immer mit einem Lächeln oder einem freundlichen Wort auf den Lippen. Und trotz der 6- bis 8-Stunden-Schichten blieb auch für die Helfer Zeit, den Kirchentag zu genießen. „Ich war bei Margot Käßmann, bei Christian Wulff und hab eine Führung durch die Frauenkirche mitgemacht“, sagt Malte (16). Er war mit 22 Leuten aus seiner Schule hergekommen, alle halfen mit.
Bibelarbeit mit Twitter
Besonders modern zeigten sich die Christen im „Zentrum Studierende“. Hier konnte sich jeder über Twitter an der Bibelarbeit „Bibel trifft Twitter“ beteiligen. Die Kommentare der Besucher wurden dann auf eine Leinwand projiziert. Dass „Gott sich um uns kümmert“, davon zeigten sich die meisten dort überzeugt, aber auch für Zweifel war an der Leinwand Platz: „Warum passieren Dinge wie Fukushima?“
Bei einem Reggae-Gottesdienst wurde unter anderem Mobbing thematisiert. Viele Jugendliche haben als Opfer, aber auch als Täter damit zu tun. Der Gottesdienst wollte Mut machen, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, anderen beizustehen und das eigene Verhalten zu überdenken. „Gott hat euch gewollt und geschaffen und das ist sehr gut so“, war die Botschaft, die mit jubelndem Applaus bestätigt wurde. Zwischendurch brachten Daveman und Miriam Kunde mit ihrem Live-Gesang viel Stimmung und schließlich sogar zum Tanzen. Hier zeigten sich Lobpreis und Gebet von ihrer ansprechendsten Seite!
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