Der „gute Freund“ macht Ärger
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy inszeniert sich in der Libyen-Krise als Mann klarer Ansagen: Vehement forderte er „gezielte Luftschlägen“ gegen Libyen und stellte er sich deutlicher als andere westliche Staatschefs gegen Gaddafi. In der Nacht zum Freitag hat die UN nun die Flugverbotszone über Libyen beschlossen. Umso peinlicher, dass die Gaddafis jetzt behaupten, 2007 Sarkozys Wahlkampf finanziert zu haben. Wer die bisherigen Beziehungen zwischen dem französischen Staatschef und Gaddafi betrachtet, den kann das nicht überraschen.
„Wir waren es, die seinen Wahlkampf finanziert haben, und wir haben Beweise dafür.“ Es sind harte Vorwürfe, die Saif-al Islam al-Gaddafi da erhebt: Denn der Mann, von dem der Sohn des libyschen Diktators spricht, ist niemand Geringeres als Frankreichs Staatspräsident Sarkozy. Libyen habe sich davon „französische Hilfe für die Bevölkerung“ versprochen, erklärte Gaddafi, sei jedoch enttäuscht worden. Er werde seine Beweise, darunter Kontonummern und Überweisungsformulare, „demnächst“ offenlegen, erklärte Gaddafi gegenüber „Euronews“. „Das Erste, was wir von diesem Clown verlangen, ist, dass er dem libyschen Volk sein Geld zurückgibt.“
Ob Gaddafis Behauptungen der Wahrheit entsprechen, ist ungewiss und wird sich wohl erst noch zeigen müssen. Obwohl man im Elysée-Palast entschieden dementiert, wirken die Vorwürfe allerdings nicht aus der Luft gegriffen, wenn man die Beziehungen zwischen Tripolis und Paris in den letzten Jahren betrachtet.
Ein „guter Freund“, dem man Waffen verkaufte
Am 10. Dezember 2007 noch, bezeichnenderweise am „Tag der Menschenrechte“, empfing Sarkozy den libyschen Despoten offiziell im Elysée-Palast - eine Ehre, die Diktatoren und Terroristen für gewöhnlich nicht zuteil wird. Erst recht nicht die Lieferung von Waffen und Atomkraftwerken, die Nicolas Sarkozy damals mit Gaddafi vereinbarte – ein für die französische Atomwirtschaft äußerst lukratives Geschäft. Die 13 Kampfjets, die Sarkozy dem Libyer lieferte, brachten Frankreich zusammen mit einem Leistungskraftwerk zur Meerwasserentsalzung zehn Milliarden Euro ein.
Eine fadenscheinige Ausrede
Anti-Atom- und Menschenrechtsorganisationen warfen Sarkozy schon 2007 vor, damit Atomwaffen in libyscher Hand zu ermöglichen. „Zivile Atomtechnologie an Libyen zu liefern bedeutet, dem Land zu helfen, Atomwaffen zu bauen“, erklärte die Organisation „Sortir du nucléaire“ (dt. etwa: Atomausstieg) damals. Kritik aus der EU für sein Hofieren des erwiesenen Staatsterroristen Gaddafi wies Sarkozy vor drei Jahren noch schroff und mit einer befremdlichen Begründung zurück: „Die Supermächte verstoßen gegen das internationale Recht. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Schwachen zum Terrorismus greifen.“
Damit Gaddafi gemütlich die französische Hauptstadt Paris besichtigen konnte, sperrte Sarkozy sogar alle Brücken über die Seine, ließ den Despoten aus Tripolis mitten in der Stadt sein Zelt aufschlagen und einen Vortrag über die Menschenrechte halten. Sarkozy nannte Gaddafi damals wortwörtlich einen „guten Freund“.
Sarkozy – ein Fähnchen im Wind
Der Vorwurf, den der Gaddafi-Clan nun gegen Sarkozy erhebt, wirkt im Rückblick also keineswegs abwegig, obgleich er so gar nicht zu den reißerischen Tönen Sarkozys in den vergangenen Wochen passen will. Wenn Sarkozy Kampfjets vom Himmel holen will, die er Libyen vor drei Jahren erst selbst verkauft hat, zeugt das nicht gerade von einem humanitären Hintergrund seines derzeitigen Eifers: Eher will der Franzose wohl die eigens begangenen Fehler vertuschen und überdecken. Der Ritter im Namen der Menschenrechte, zudem sich Sarkozy in diesen Tagen stilisiert, ist wohl mehr ein Fähnchen, eine Tricolore im Wind.


