Der gefährliche Spaß mit Folgen

Bier, Wodka, Wein und Exzess: Immer mehr Jugendliche trinken bis zum Umfallen. Dass sie ihrer Gesundheit langfristig schaden, ist ihnen nicht bewusst - ein Trend setzt sich fort.
  • Foto: Flickr/maartmeester

 

Sie trinken, weil es „cool“ ist, weil sie damit bei ihren Freunden besser ankommen. Das zumindest denken die Jugendlichen, die sich in den Rausch trinken. Innerhalb kurzer Zeit betrinken sie sich absichtlich mit Schnaps, Bier und Mixgetränken. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nennt dieses Phänomen „Binge-Drinking“. „Binge“ kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt Gelage.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen zwischen elf und zwanzig, die auf Grund übermäßigen Alkoholkonsums ins Krankenhaus geliefert werden, steigt stetig. Waren es im Jahr 2008 noch 274 Fälle pro 100.000 Teenager, sind es im Jahr 2009 schon 290 Jugendliche gewesen. Das belegt eine Studie der Techniker-Krankenkasse. Jeder fünfte Jugendliche trinke im Monat mindestens fünf alkoholische Getränke. Im Durchschnitt sind sie nicht älter als 13 Jahre.

Gefährlich für Wachstum, Leber und Gehirn

„Wer größere Mengen Alkohol in kurzer Zeit trinkt, kann sich schnell in Lebensgefahr bringen“, sagt der Psychotherapeut Johannes Klüsener. „Noch bevor den Jungen und Mädchen übel wird und sie deshalb zu trinken aufhören würden, kann der Alkohol bereits auf tiefe Regionen des Gehirns wirken.“ Das könne unter anderem auch zu Atemlähmungen führen. Sogar geringe Mengen seien bereits gesundheitsschädlich. Alkohol hemme das Wachstum, schädige die Leber und beeinträchtige die Gehirnfunktionen.

Weniger neuronale Stammzellen

Langfristig verschlechtert sich die geistige Leistungsfähigkeit. Regelmäßiges Komasaufen kann dem Hippocampus schaden, einer wichtigen Struktur des Großhirns, sagen Wissenschaftler vom „Scripps Research Institute“ im kalifornischen La Jolla. Sie gaben vier Affen über elf Monate lang täglich ein alkoholhaltiges Getränk. Blutalkoholtests zeigten, dass sie sich bis zu einem Wert betranken, der bei Menschen etwa 2,5 Promille beträgt.

Nach der elfmonatigen Phase folgten zwei Monate ohne Alkohol. Die Forscher entdeckten strukturelle Veränderungen des Hippocampus. Dort hatten sich vergleichsweise weniger neuronale Stammzellen gebildet – Zellen, aus denen Nervenzellen entstehen – als bei Affen, die nicht mit Alkohol versorgt worden waren. Auch das Wachstum der Nervenzellen sei deutlich beeinträchtigt gewesen. Diese Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der amerikanischen Fachzeitschrift „Proceedings“, die von der Akademie der Wissenschaften der Vereinigten Staaten herausgegeben wird.

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