Der facebookende Mitarbeiter

Was man früher abends am Telefon oder auf Cocktail-Partys machte, wird heute mit ein paar Klicks erledigt: Soziale Netzwerke pflegen. Aber wie verhält man sich, wenn ein Vorgesetzter oder andere Bekannte aus dem Berufsalltag einen auf Facebook als Freund anfragen? Birgt das „befreunden“ auf Facebook Vorteile, oder wäre es fahrlässig? Darf sich mein „social-network“ mit meinem „business-network“ mischen?
  • Foto: Flickr/luc legay

 

Nach einem langen Arbeitstag, Bergen von Arbeit, terminlichen Fristen, einem grimmigen Chef und der Kaffeemaschine im Dauerstreik ist es nur natürlich, seinem Unmut Luft verschaffen zu wollen. Am schnellsten geht dies heute, indem man mal eben den 387 Facebook-Freunden sagt, wie anstrengend der Tag war, und dass man sich den Chef manchmal auf den Mond wünscht. Prompt folgen Mitleidsbekundungen und zahlreiche „Gefällt-Mir“.

Wer nicht nachdenkt

Medien haben jedoch bereits mehrere Fälle ausführlich breitgetreten, in denen Angestellte (in der Probezeit) auf Facebook Dampf über Ihren Chef abließen. Das Problem dabei: Sie hatten nicht beachtet, dass ihr Chef sich unter ihren „Freunden“ befindet. In jenen Fällen hatten diese keinen Humor und machten ernst: Kündigung! Entsprechende Screenshots jener Facebook-Konversationen kursierten für längere Zeit im Netz. Da musste so mancher auf steinigem Wege lernen, dass Hitzewallungen temporär sind, das Internet aber permanent. Deshalb gilt: Holzauge sei wachsam, vor allem bei der Wahl deiner (Facebook-) Freunde.

Das Privatleben preisgeben?

Aber wie verhält man sich nun bei einer „Freundes-Anfrage“ des Chefs? Befreundet man sich mit seinem Chef über Facebook, kann dieser unweigerlich Einblicke ins Privatleben bekommen: Wen kenne ich, was ich in der Freizeit mache, für was ich mich engagiere etc. Warum also will oder sollte man sich mit seinem Chef befreunden? Nur weil man sich nicht traut, dessen Anfrage abzulehnen? Der Druck wächst wenn fast alle Kollegen aus derselben Abteilung bereits mit dem Chef via Facebook befreundet sind.

Business-Netzwerk vs. Social Network

Bei einer Umfrage von Reuters Anfang des Jahres sagten 56% der Befragten, dass es unverantwortlich sei, sich mit dem Chef zu „befreunden“. 62% der Umfrage-Teilnehmer sprachen sich dagegen aus, Angestellten als Freund hinzuzufügen. Allerdings waren 76% dafür, mit Arbeitskollegen eine Facebook-Freundschaft einzugehen.

Was aber tun, wenn ein Arbeitskollege nun plötzlich befördert, gar mein Chef wird? Soll man in dann wieder „entfreunden“? Falsch kann in keinem Fall sein, soziale Netwerke wie Facebook auch selbige sein zu lassen und den Chef höflich auf Business-Netzwerke wie Xing zu verweisen. Allerdings kann es auch Vorteile haben, sich mit seinem Chef ein persönlicheres Netzwerk aufzubauen. Eine „Freundschaft“ bei Facebook kann zu einem besseren Kennenlernen in jedem guten Sinne beitragen. Vielleicht entdeckt man darüber gemeinsame Interessen wie Marathonlaufen, Musik oder man erfährt sogar, dass der eigene Chef den selben Glauben teilt.

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Wichtig ist die Frage, wie und wozu man Facebook nutzen möchte. Wer z.B. Partybilder oder anderes Persönliches teilen möchte, sollte seine Freundeswahl gut durchdenken. Eine Möglichkeit, Sozial- und Geschäftsnetzwerk zu verbinden, kann auch ein beschränkter Zugang sein: Es liegt im eigenen Ermessen, welchen Zugang zu welchem Inhalt seines Netzwerkes man dem Chef oder den Kollegen gewährt. So kann man sich Freiraum wahren und dennoch mit dem Vorgesetzten netzwerken. Dabei sollte dann aber auch ein gutes Vertrauen zu den anderen Freunden bestehen: Stellen die einem Schabernack auf die Pinnwand, kann das schnell ein schales Licht auf einen werfen.

 

 

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