Der Bewerbungsmarathon
Die Bewerbungsphase stellt oft das Selbstwertgefühl in Frage. Finde ich eine Stelle, die mir gefällt? Habe ich Chancen auf meinen Traumjob? Oder steht bald der Weg zum Arbeitsamt an? Hier ein paar Tipps für mehr Selbstsicherheit und Zuversicht auf dem Weg zum neuen Job.
Ich sitze vor einem leeren Computerbildschirm. Neben mir Bewerbungsratgeber, im Browser Webseiten wie www.bewerben.de oder www.jova-nova.com. Mein Kopf ist genauso leer wie das weiße Blatt im Textbearbeitungsprogramm. „Wenn Du mit Schreiben Geld verdienen willst, musst Du doch auch Bewerbungen schreiben können“, hat ein Internet-User in einem Bewerbungsforum wenig verständnislos geantwortet, als ein angehender Journalist nach Bewerbungstipps fragte.
Auf diesen Marathon bereitet einen kaum jemand vor
Doch Bewerbungen sind etwas völlig anderes als andere Texte. Denn anders als in den allermeisten Artikeln ist auf einmal das Ich die Hauptperson. Auf einmal soll ich auf einer Seite sagen, wer ich bin und wie gut ich bin und warum mich jemand unbedingt einstellen soll. Und das in Worten, die nicht zu aufdringlich, nicht zu bescheiden, nicht anmaßend und dennoch überzeugt und überzeugend klingen sollen. In Schule und Studium lernt man schreiben, auf diesen Marathon durch Personalerbüros, der einem nach den meisten Ausbildungsphasen bevorsteht, bereitet einen kaum jemand vor.
Ego-Boost durch die Bibel
„Ich danke Dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin“, heißt es in Psalm 139,14. Selbst wenn der Personaler das nicht immer zu schätzen weiß, diese Tatsache solltest Du gerade im Bewerbungsmarathon nie vergessen, so sehr Absagen auch am Selbstbewusstsein zehren. Gott hat Dich wunderbar gemacht und Dir Talente gegeben, die Du einsetzen sollst und darfst.
Wer steckt hinter der sterilen Bewerbungsmappe?
Dieser Gedanke hilft auch bei der Bewerbung. Was kann ich gut, was macht mir Spaß, wie sehen andere mich, wie sieht mich Gott? Wer sich diese Fragen beantwortet, hat den Kern des Anschreibens schon einmal formuliert. Denn neben Deinem schulischen und beruflichen Werdegang und Deinem Berufsziel in zwei Sätzen will der Personaler auch wissen, wer Du eigentlich bist, was Dich auszeichnet. Wer ist der Mensch hinter der sterilen Bewerbungsmappe?
Nicht bitten, sondern anbieten
Wichtig bei der Bewerbung ist: Du musst nicht um eine Stelle betteln gehen. Du bist wunderbar gemacht. Und so wie Du bist, mit all Deinen Talenten und Erfahrungen, so stellst Du Dich vor. Denn kein Personaler will aus Mitleid einen Job vergeben. Den Job bekommt meist der, der darauf passt – und passend macht Dich nicht nur Dein Lebenslauf, sondern auch die Sympathie und das Selbstbewusstsein, dass Du ausstrahlst. Und das kann man auch üben.
Auf der Bühne des Personalerbüros
Ein Vorstellungsgespräch ist ein bisschen wie Theaterspielen. Ich spiele mich selbst so, wie ich normalerweise bin und wie es im Anschreiben steht – kontaktfreudig, aufgeschlossen, wissbegierig. Und verstecke hinter meinem Schauspiel die Seite von mir, die in Wirklichkeit gerade nach draußen drängt, aber in keinem Anschreiben stehen darf – nervös, unsicher, voller Fluchtgedanken.
Personaler sind auch Menschen
Da hilft es, einen Moment inne zu halten, ein Gebet nach oben zu schicken und sich umzuschauen. Wer sitzt vor Dir? Personaler? Zukünftiger Chef? Auch Personaler und Chefs sind Menschen, von Gott geliebt, oft missverstanden, mit Problemen in Familie und Beruf, mit Ängsten, Wünschen und Hobbies. Vielleicht rennt der Chef, der dich gerade kritisch beäugt, am Wochenende als Zwerg verkleidet durch den Wald und macht Jagd auf andere Orks und Halblinge? Vielleicht hat der Personaler einen Sohn oder eine Tochter in Deinem Alter und macht sich gerade Sorgen darum, ob sein Nachwuchs auch bald einen Job findet?
Geteiltes Leid, geteilte Freude – ein ganz normaler Tag
Für viele ein Horror – aber tatsächlich viel angenehmer – sind sogenannte Assessment-Center. Ein oder zwei Tage lang, meistens mit luxuriöser Übernachtung in einem Hotel, lernen sich Bewerber und Personaler gemeinsam kennen. Gruppenaufgaben, Einzelgespräche, gemütliches Mittagessen, alles ist dabei. Kurze Stressphasen wechseln sich ab mit entspannten Gesprächen bei Kaffee und Tee.
Es stimmt natürlich, dass jeder einzelne Bewerber während eines Assessment-Centers die ganze Zeit unter Beobachtung steht, dass man mehr als sonst auch auf seine Tischmanieren und Umgangsformen achten sollte. Aber diese Zeit Tag gibt auch reichlich Gelegenheit, das Unternehmen kennenzulernen. Und wer offen auf seine Mitbewerber zugeht, nach ihrem Werdegang fragt, was sie selbst einmal machen wollen und wie es ihnen mit diesem Bewerbungsmarathon geht, zeigt nicht nur die vielgelobte Kontaktfreudigkeit, sondern gewinnt auch gleichzeitig Zuversicht. Meistens sind die anderen ja viel aufgeregter.
Kostenloser Übungsplatz
Und selbst, wenn schließlich eine Absage im Briefkasten landet, war die Zeit nicht verloren. Wenn Du jedes Bewerbungsgespräch als kostenloses Bewerbungs- und Rhetoriktraining betrachtest, kannst Du aus jedem Assessment-Center oder Vorstellungsgespräch etwas mitnehmen – selbst wenn es kein Job ist. Schau Dir hinterher genau an, was für Fragen gestellt wurden, wie Du geantwortet hast, was Du das nächste Mal besser machen kannst. Geh das Gespräch mit einem Freund oder vor laufender Kamera nochmal durch, analysiere Deine Körpersprache und Ausdrucksweise wie bei einem professionellen Bewerbertraining. Übe und werde besser. Dann klappt es auch mit dem Job, der wirklich zu Dir passt.


