Der Autor ohne Anschluss

Er hat keine E-Mail-Adresse, keinen Computer und auch keinen Internetanschluss. Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu lebt bewusst offline. Im digitalen Zeitalter ist das eine Seltenheit. Doch ganz ohne das Internet kommt er dann doch nicht aus.
  • Foto: Wikipeadia/Hans Peter Schaefer

 

„Ich habe all die Jahre kein Verlustgefühl gehabt“, sagte Zaimoglu im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Er hat ein Faxgerät, ein Mobiltelefon und eine elektrische Schreibmaschine. Mehr braucht er als Schriftsteller nicht. Hat er eine Idee, schreibt er sie auf Notizblätter – „ganz alte Schule“, wie er selbst meint.

„Onkel Horst aus Kiel“

Dass er eine Minderheit durch seinen Internetverzicht darstellt, machen ihm Bekannte oft bewusst. Sozialer Druck? Er gelte als der „Onkel Horst aus Kiel“, der weder Auto fährt, noch einen Computer besitzt. Lernt er Menschen kennen, denken sie oft, Zaimoglu wolle seine Emailadresse nicht herausgeben. „Auch die Beteuerung, ich wolle sie nicht veräppeln, hilft da manchmal nicht. Aber damit kann ich leben.“

Surfen beim Kumpel nebenan

So ganz ohne Internet geht es dann aber doch nicht. Gerade bei der Recherche für seine Romane erleichtert ihm der Anschluss an das weltweite Netz oftmals die Arbeit. „Dann gehe ich nämlich zu meinem besten Kumpel, wir wohnen Tür an Tür, und lasse mir helfen.

Feridun Zaimoglu debütierte im Jahr 1996 mit seinem Roman „Kanak Sprak“, in dem er die Sprache der deutsch-türkischen Männer untersucht. Diesem folgten seine bekanntesten Werke „Leyla“ und „Liebesbrand“. Zehn Jahre nach der Veröffentlichung seines ersten Romans sorgte der 46-jährige Autor für Furore, als er auf der Islamkonferenz das Fehlen selbstbewusster Kopftuchträgerinnen kritisierte.

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