Den Glauben hatte ich mir tot gesoffen

Es war im Januar 1994, als Michael Liebmann das erste Mal zur Flasche griff. „Das Bier stand so rum, da wollte ich halt mal probieren“, erzählt der heute 28-jährige Wuppertaler. Aus einer Flasche wurden fünf, und Michael war beim ersten Mal durch den übermäßigen Alkoholkonsum gleich außer Gefecht gesetzt. In den folgenden Jahren sollte Alkohol sein ständiger Begleiter werden.

 

Anfangs trank er nur mit Freunden am Wochenende. „Ich hatte mich unter der Woche an die Regel gehalten: Kein Bier vor vier! Aber am Freitag nach 16 Uhr ging es dann los.“ Er traf sich bei Freunden um „vorzutrinken“, bevor sie in die Disco gingen. Mehrere Liter Alkohol kippte er so jedes Wochenende hinunter. Seine Eltern griffen nicht ein, sondern sagten sich, er müsse selber seine Erfahrungen machen. Die Spirale der Sucht drehte sich weiter.

Erwischt mit 2,7 Promille

Kurz vor seinem Abitur fuhr er nachts nach einer Kneipen- und Disco-Tour nach Hause. Ein anderer Fahrer bemerkte, dass Michael ohne Licht unterwegs war, und alarmierte die Polizei. Die stellte bei ihm einen Alkoholgehalt von 2,7 Promille im Blut fest. Der Führerschein war futsch. Heute sagt er dazu: „Das war echt gut, dass sie mich erwischt hatten. Wer weiß, vielleicht hätte ich ja jemanden totgefahren?!“

Während der Lernphase für das Abitur dachte Michael das erste Mal ans Aufhören. Schnell verdrängte er aber solche Gedanken. Michael wurde unzuverlässig und verlor dadurch seine Nachhilfe-Schüler. Direkt nach dem Abi ging es zum Zivildienst, wo Michael seine vorher gesetzte Regel brach, werktags nachmittags nichts zu trinken. Regelmäßig fuhr er nun nach Dienstschluss direkt in die Kneipe. Fünf Liter Bier waren da schon mal drin, erzählt er. Er merkte selber, dass es so nicht weitergehen konnte, und versuchte aufzuhören. „Vier Monate war ich trocken. In der Zeit ging es mir aber sehr schlecht. Ich hatte psychische Entzugserscheinungen, Depressionen und heulte fast jeden Abend.“ Er schaffte es nicht und geriet wieder in den alten Trott.

Trocken geworden mit Gott

Schließlich war es sein Onkel, der ihm einmal sagte: „Ohne Alkohol zu leben, ist kein Kampf, sondern eine Entscheidung.“ Dieser Satz brachte Michael zum Nachdenken. Durch einen Zeitungsausschnitt wurde er schließlich auf eine Selbsthilfegruppe des Blauen Kreuzes aufmerksam. „Es war eine große Überwindung, dort anzurufen. Aber das Gespräch war gut, und noch heute genieße ich die Gemeinschaft in der Gruppe.“ Beim Blauen Kreuz kam er nicht nur vom Alkohol weg, sondern auch zum christlichen Glauben. Zwar hatte er schon früher durch seine Oma und regelmäßige Kirchenbesuche etwas vom Evangelium mitbekommen, aber im Alter von etwa 14 sei das Interesse gesunken. „Den Glauben hatte ich mir tot gesoffen.“ Ohne Gott hätte er wohl kaum die Kraft gehabt, vom Alkohol loszukommen.

Vor dem „Idiotentest“

Trotz seiner Erfahrungen will er – wenn er mal selber Kinder hat – nicht mit Verboten kommen. „Das bringt nichts!“ Vielmehr würde er auch ihnen seine Geschichte erzählen und sie so vor dem Alkohol warnen. Seiner Ansicht nach ist es wichtig, dass Jugendliche sich die richtigen Vorbilder suchen und eine Perspektive fürs Leben haben. „Ich hatte mich damals an falsche Idole gehängt.“ Auch sei es wichtig, Jugendliche ernstzunehmen. Denn wer nicht ernst genommen werde, versuche auf andere Weise, Aufmerksamkeit zu erregen.

Derzeit versucht Michael, seinen Führerschein zurückzubekommen. Dafür muss er die medizinisch-psychologische Untersuchung (umgangssprachlich: „Idiotentest“) bestehen und die theoretische und praktische Prüfung wiederholen. Mit dem Lappen erhofft er sich einen Job mit regelmäßigeren Arbeitszeiten, um dann sein Lehramts-Studium abschließen zu können. Seit über drei Jahren ist er nun schon trocken. „Aber ich hab’ noch ein anderes Laster: das Rauchen.“ Doch das ist wieder ein anderes Thema …

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3 Kommentare wurden bereits abgegeben

  • 3.  
    schrieb am 13.05.2008 13:54

    Sehr geehrter Herr Küchler,

     

    wie ignorant leben Sie eigentlich in dieser Welt? Dass Menschen im Zweifelsfall die Entwicklung ihres IQs von frühesten Babybeinen an nicht selbst in der Hand haben und erst lernen müssen, selbstbestimmt zu leben, haben Sie doch auch schon mal gehört, oder? Diese Debatte in einer derartigen Ignoranz und Arroganz über den IQ führen zu wollen, erschreckt mich (wundert mich auf dieser Plattform aber nicht...).

  • 2.  
    schrieb am 09.05.2008 21:39

    Naja ich denke, jeder hat so seine eigenen Wege, wie er mit Problemen fertig wird. Der Eine scheißt Teller an die Wand, der andere die leere Wodka Flasche.

     

    Natürlich hat der Alkohol negative Folgen, dennoch scheint es für einige der einzige Weg zu sein, Gefühle und Schmerzen zu unterdrücken.

  • 1.  
    schrieb am 08.05.2008 13:36

    Warum glauben die Leute einfach immer, mit Alkohol würde was besser?

    Welchen IQ haben solche Leute? Wenn\'s mir scheiße geht, brauche ich mich doch noch lange nicht zu besaufen, um ein paar Stunden abschalten zu können. Das geht doch auch mit Tellern an die Wand.

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