Das System: Mein Vater, der Stasi-Agent

Der Stasi-Thriller „Das System“ zeigt, dass die DDR-Geschichte nicht totzukriegen ist. Alte Seilschaften machen neue Geschäfte, und ein Sohn sucht nach den wahren Gründen für den Tod seines Vaters. Karsten Huhn hat den Film gesehen, der heute in die Kinos kommt.
  • Bilder: Filmlichter

 

Alles in diesem Film ist erfunden – und doch ist es wahr. Der joviale Unternehmer Konrad Böhm, mit Anzug, Bäuchlein, bahnt Geschäfte auf dem Golfplatz an. Er hofft auf einen Millionenauftrag für die Erdgas-Pipeline, die von Russland nach Deutschland gebaut werden soll. Böhm lockt mit Arbeitsplätzen und einer Parteispende.

Die Suche nach der Wahrheit

Böhms Assistent ist Mike, ein vaterlos aufgewachsener Rostocker Plattenbaujunge, geboren 1989. Erst durch die Zusammenarbeit mit Böhm erfährt er, dass seine Eltern früher für die Staatssicherheit gearbeitet haben: Seine Mutter war Sekretärin bei der Stasi-Bezirksverwaltung, der Vater offiziell Autohändler. Tatsächlich machte er jedoch als Stasi-Agent Geschäfte mit dem kapitalistischen Ausland. Doch warum starb der Vater so früh? „Das hat doch nichts mit uns zu tun, mit unserem Leben jetzt“, sagt die Mutter. Der Rest ist Schweigen.

Durchaus Bezüge zur Realität

Damit die Geschäfte wie geschmiert laufen, hat Böhm über seine Verhandlungspartner Informationen aus der Vergangenheit zur Hand – aus Stasiakten, die ein Parteigenosse im Geheimarchiv in einer Kleingartenanlage lagert. Was zunächst wie eine Räuberpistole klingt, weist durchaus Bezüge zur Realität auf: Einer der Schauplätze des Films ist das Rostocker Hotel Neptun – der sagenumwobene Stasi-Funktionär Schalck-Golodkowski hatte dort eine ständige Suite und traf sich mit westdeutschen Politikern wie Willy Brandt und Franz Josef Strauß. Der Direktor des Hotels war von dessen Eröffnung im Jahr 1971 bis 2007 (!) derselbe Mann – und zugleich Stasi-IM „Wimpel“.

Stasi-Mitarbeiter sind heute Unternehmer oder Rechtsanwälte

Auch beim Bau der Erdgas-Pipelines sind ehemalige Stasi-Mitarbeiter aktiv: Der Vorstandsvorsitzende des Pipeline-Betreibers Nordstream AG arbeitete bis zum Mauerfall für die Auslandsaufklärung des MfS – und wurde 1990 von der Dresdner Bank angeworben, um das Russland-Geschäft der Bank aufzubauen. Viele hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter gehörten zur Elite der DDR. Heute arbeiten sie als Unternehmer, Rechtsanwälte oder Sicherheitsexperten.

Schuld und Geheimnisse bis ins vierte Glied

Der Spielfilm von Regisseur Marc Bauder zeigt, dass die deutsch-deutsche Vergangenheit nicht totzukriegen ist. Schuld und Geheimnisse reichen bis ins dritte oder sogar vierte Glied der Familien.

Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen • Regie: Marc Bauder • FSK: ab 12 Jahren • 92 Min.


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