Cyberhass 2.0

Es ist groß, anonym und schlecht kontrollierbar: Im Web 2.0 können Hetzer menschenverachtende Inhalte äußern und finden zugleich eine breite Anhängerschaft. Aber kann dem überhaupt entgegengewirkt werden? Die Eindämmungsmöglichkeiten halten sich in Grenzen und Web-Unternehmen wie Microsoft oder Facebook weisen jede Verantwortung von sich.
  • Bild: Screenshot Facebook

 

„We stand against Israel“ hat nahezu 6.000 Fans auf Facebook, die Gruppe „Ich hasse Israel“ rund 1.500. Sucht der Nutzer nach „Ich hasse Araber“ trifft er auf eine Gruppe, die sich in der Unterzeile mit den Worten „wir wollen sie nicht auf diesem Planeten und sie sind nichts wert“ beschreibt. In Gruppen, die sich dem Holocaust widmen, rufen die Mitglieder häufig mit Hitler-Zitaten zur Vernichtung von Juden auf.

Freunde finden, Nachrichten schreiben und Fotos austauschen sind meist nur noch das Beiwerk sozialer Netzwerke. Denn ebenso häufig laden Nutzer Videos mit menschenverachtendem Inhalt hoch, so dass sie einer breiten Masse mit wenigen Klicks zugänglich werden. Auf einer Konferenz der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) wurde für das vergangene Jahr ein extremer Zuwachs an Cyberhass festgestellt, heißt es in der Onlineausgabe des „Stern“. Durch die Interaktivität des Web 2.0 sind Hassparolen und Diskriminierungen im Internet keine Ausnahme mehr.

Meist rechtsextremer Hintergrund

Dem Internationalen Netzwerk gegen Cyberhass (INACH) sind für das Jahr 2010 etwa 15.000 Fälle von Online-Diskriminierung bekannt. Laut ihrem Jahresbericht hatten die Mehrzahl einen antisemitischen oder rechtsextremen Hintergrund. Allein im deutschsprachigen Raum habe es laut „Jugendschutz.net“ rund 7.000 „hasserfüllte Postings“ gegeben. Ebenso konnten 1.800 rechtsextreme Webseiten dokumentiert werden.

„Länderübergreifende Möglichkeiten“

Diese Probleme sind Unternehmen wie Microsoft und Facebook bekannt. Sie aber sehen sich nicht in der Pflicht einzugreifen, berichtet der „Stern“. Das sei Aufgabe der Staaten, die sich auf international gültige Abkommen einigen müssten. „Wir stellen bloß die Technologien bereit“, sagte Uwe Rasmussen, Microsoft-Sprecher für Onlinesicherheit. Bei globalen Webseiten sei es unklar, welches Rechtssystem greife. Während ein Land bestimmte Inhalte verbiete, sei in einem anderen Land wiederum die Zensur desselben Inhalts verboten.

Auch Richard Allen von Facebook hat ähnliche Ansichten. Bei dem Social Network könne jeder alles posten, solange er es unter seiner echten Identität tue. „Unsere Mission ist die Demokratisierung der Rede.“ Kursieren auf der Onlineplattform Hassparolen und konkrete Drohungen, können sie gemeldet werden. Laut Allen würden diese dann sofort entfernt.

Verantwortung übernehmen

Stefan Glaser, Mitarbeiter bei „Jugendschutz.net“, fordert ein gemeinsames Verantwortungsgefühl von Nutzern, Unternehmen und Politik. Gerade Unternehmen sollten in diesen Bereichen investieren und soziale Standards definieren. „Die Staaten sind aber auch in der Pflicht, wir brauchen länderübergreifende Lösungen.

Doch fängt die Verantwortung nicht bei jedem einzelnen an? Schärft jeder Internetnutzer seine Aufmerksamkeit, kann möglicherweise so manche Hetze verhindert werden. Oft fehlen nur der Mut und die Überwindung, Gruppen bei Facebook oder Videos mit menschenverachtendem Inhalt zu melden.

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1 Kommentar wurden bereits abgegeben

  • 1.  
    schrieb am 15.01.2011 14:06

    Die im Internet anonymisierten Menschen können sich so bestens verbergen, dass sie beleidigende Hass- Worte gegen andere Mitbürger, Christen , Moslems oder gegenüber ISRAEL ausstoßen. Sicherlich müssen solche Hass-Seiten auch gemeldet und gelöscht werden, dazu muß es unbedingt Regelungen geben, aber letztendlich sind auch diese ANONYMEN Internetnutzer nur versteckte Bürger die nur keine Traute haben, ihr wahres Gesicht offen zu zeigen.So heiß es auch schon im At unserer Bibel, dass wer Israel segnet auch gesegnet sein soll und dass wir nicht alles selbst in die Hand nehmen müssen, weil man Gott auch Raum lassen soll !( 5.Mose 32,35 )

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