Couchsurfing: Auf eine andere Art durch die Welt
Günstig reisen und Leute kennenlernen – das ist der Grundgedanke des Couchsurfing. Für Christen ließe sich der noch erweitern: Günstig reisen, Leute kennenlernen und Glauben leben. Denn als Couchsurfing-Gastgeber kann ich Nächstenliebe ganz praktisch leben und als Couchsurfer von meinem Glauben erzählen.
Unser Bett sind Isomatten auf dem Wohnzimmerboden, auf dem Sofa daneben schläft unser Gastgeber (in der Couchsurfing-Sprache der „Host“), im Schlafzimmer nebenan liegen noch zwei Mädels aus Chile. Damit ist die kleine Ein-Zimmer-Wohnung von Shady in Kairo auch schon völlig überbelegt. Shady freut sich über den vielen Besuch. Und wir uns darüber, dass wir so gleich zwei Kulturen kennenlernen.
Wenige Nächte später liegen wir in einem kleinen Gästezimmer in Haifa bei Yoni, Silvana und ihrer Hündin JonJon. Vorher hatten wir für unsere Hosts noch gekocht, später waren Nachbarn von ihnen da, ein kunterbuntes Gemisch verschiedener Kulturen – und zwei aufgedrehte Hunde mittendrin.
Gastfreundschaft beruht auf Gegenseitigkeit
Was uns zwei Deutsche, die Chileninnen, den Ägypter und die Israelis zusammengeführt hat, war Couchsurfing. Ähnlich wie bei Mitfahrgelegenheiten, die man über das Internet organisieren kann, sucht man sich als Couchsurfer Hosts im Reiseland, bei denen man eine oder mehrere Nächte bleiben kann. Umgekehrt kann und sollte man natürlich auch andere Couchsurfer im eigenen Zuhause beherbergen.
Denn das Ganze funktioniert nur auf Gegenseitigkeit. Da muss natürlich nicht jeden Übernachtung genau mit der Beherbergung anderer Couchsurfer aufgewogen werden. Shady zum Beispiel war selbst noch nie als Couchsurfer unterwegs, hat aber schon zig Menschen aus aller Welt bei sich schlafen lassen. In mein Städtchen in Deutschland scheint niemand reisen zu wollen, deswegen war ich bisher häufiger Gast als Host. Wenn jeder mitmacht, hält es sich irgendwie die Waage.
Zwischen Isomatte und Einliegerwohnung
Wo du selbst schläfst oder deine Gäste schlafen lässt, ist völlig unterschiedlich. Du hast ein eigenes Gästezimmer? Super! Aber ich hab mir auch schon ein Studentenwohnheimzimmer von zehn Quadratmetern mit meiner Gastgeberin geteilt. Wichtig ist nur, die Wohn- und Schlafbedingung im eigenen Couchsurfing-Profil im Internet ausreichend zu beschreiben. Genauso auch die Erwartungen an Gäste. Die Information, wie viele Tage ein Gast willkommen ist, ist hilfreich.
Eine Woche nach unserer Übernachtung bei Yoni und Silvana führt uns Ahmad in der Nähe von Bethlehem in die Einliegerwohnung im Haus seiner Eltern. Normalerweise vermieten sie die Zimmer, aber Kurzzeitgäste wie wir werden umsonst aufgenommen. Sonst wäre Ahmad auch nicht Mitglied bei Couchsurfing. Denn Couchsurfing, egal bei welchem Netzwerk man Mitglied ist, ist keine Vermittlungsplattform für günstige Unterkünfte (und übrigens auch keine Partnervermittlung). Wer couchsurft, übernachtet gratis, und gibt dafür Erfahrungen, Geschichten, Offenheit und auch mal ein Abendessen zurück.
Ein idealistisches Anliegen
„Mache mit bei der Erschaffung einer besseren Welt – Couch für Couch.“ Ist daher auch das Motto von Couchsurfing.org (www.couchsurfing.org). Eine Alternative ist der Hospitalityclub (www.hospitalityclub.org) mit dem Slogan: „...bringt Menschen zusammen“. Es sind zwei der größten Couchsurfing-Netzwerke im Internet. Bei beiden erstellt man sich ein Profil, gibt Namen, Hobbies, Reiseerfahrungen und Lebensmottos an, kann ein Profilbild hochladen und seine Couch/Gästezimmer/Isomatte für künftige Besucher beschreiben.
Sämtliche Couchsurfing-Netzwerke folgen damit der Idee, mit anderen zu teilen, was man hat und selbst zu nehmen, was man braucht. Ein zutiefst christliches Anliegen. Christliche Couchsurfing-Angebote sind allerdings rar gesät und selten voll funktionstüchtig. Facebookmitglieder können sich aber an der Gruppe Christian Travelers / Backpackers beteiligen, die mit 716 Mitgliedern scheinbar sehr aktiv ist.
Kleine Geschenke erhalten Couchsurfing
Wer seinen Urlaub chouchsurfend verbringen will, sollte daher nicht nur auf kostenlose Übernachtungen aus sein, sondern natürlich auch darauf, seinen Gastgebern etwas mitzugeben. Erzählungen von der Reise, ein selbstgekochtes Abendessen deutscher Tradition, ein kleines Mitbringsel aus der Heimat, Hauptsache man hinterlässt einen guten Eindruck von sich und seiner Kultur. Denn im Ausland bist du immer Botschafter deines Landes. Couchsurfing.org fragt seine Mitglieder deshalb auch, was sie ihren Hosts und ihren Gästen denn beibringen könnten und was sie selber gerne lernen würden. Auch das ist eine Möglichkeit, Gastfreundschaft wertzuschätzen.
Glauben leben und Freunde finden
Als Christen haben aber noch etwas anderes mitzugeben. Nämlich die Hoffnung darauf, dass es einen Gott gibt, der jeden von uns liebt, und Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Das sind für manche schwere Themen, mit denen man sich nicht auf einer unbeschwerten Urlaubsreise belasten möchte. Doch es sind Themen, die doch immer wieder in unserem Leben auftauchen – genauso wie in Gesprächen mit Fremden und Freunden.
Deswegen ist Couchsurfing, bei dem man mit vielen Menschen in Kontakt kommt, eine gute Gelegenheit, den Auftrag „Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker“ (Matt. 28,19) ernst zu nehmen. Doch geht es bei diesem Missionsauftrag nicht darum mit der Bibel um sich zu schlagen und Menschen in penetranter Weise davon überzeugen zu wollen, dass sie auf dem falschen Weg sind und man selbst die einzige Wahrheit für sich beansprucht. Es geht um gelebte Liebe, darum, echt zu sein als Christ und davon zu berichten was Gott im eigenen Leben verändert hat und wie ER sich um uns kümmert. Das wirkt mehr und nachhaltiger als Bibelzitate oder Zeigefingerrethorik.
Lebe deinen Glauben und du veränderst dein Umfeld. Gib Zeugnis aus deinem persönlichen Erfahrungsschatz und Gott wird das nutzen. Selbst in Kulturen, die von einer völlig anderen Religion geprägt sind, sind solche persönlichen Gespräche möglich und die Menschen, denen ich bisher so begegnet bin, hatten Respekt vor einem echt gelebten Glauben. Und bei Couchsurfing geht es genau um diesen persönlichen Austausch und so ist es die perfekte Plattform, um sich von Gott benutzen zu lassen. Denn nur er kann letztendlich bekehren.
Sicherheit geht vor
Noch eine Anmerkung zum Thema Sicherheit: Das Vertrauen auf Gott ersetzt nicht den gesunden Menschenverstand. Den haben wir schließlich gratis bekommen, um ihn auch einzusetzen. Wie beim Trampen, bei Mitfahrgelegenheit und beim Reisen allgemein ist natürlich auch beim Couchsurfing immer Vorsicht geboten. Wenn du dich unwohl fühlst, nimm dir lieber ein Hostel.
Die beste Absicherung gegen unschöne Situationen ist: Übernachte nur bei Leuten, die schon einige positive Referenzen von anderen Couchsurfern auf ihrem Profil haben. Oder: Geh als Frau nur zu Frauen oder Familien. Das Gleiche gilt für Couchsurfer, die du beherbergst.
Ich selbst habe beim Couchsurfing noch keine schlechten Erfahrungen gemacht – im Gegenteil. Außerdem gibt es bei Couchsurfing.org die Möglichkeit, sich für andere Mitglieder zu verbürgen (engl.: „to vouch“), die man schon kennengelernt hat. Beim Hospitalityclub kann man anderen Mitgliedern „vertrauen“. Keine Garantie, aber doch ein Hinweis darauf, dass derjenige seine Gäste in Ruhe schlafen lässt.
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