Christliche Singlebörsen: Online zum Altar

Drei Viertel der Singles sehnen sich zu Weihnachten nach dem Partner fürs Leben. Immer mehr Alleinstehende versuchen sich diesen Wunsch mit Hilfe von Partnerbörsen im Internet zu erfüllen. Wir haben Vor- und Nachteile christlicher Angebote unter die Lupe genommen.
  • Immer mehr Singles suchen den Partners fürs Leben im Netz. Der Glaube spielt bei der Partnerwahl eine entscheidende Rolle. Foto: Istockphoto.com

 

11,5 Millionen Deutsche (14 % aller Bürger) leben ohne festen Partner – ihre Zahl ist in den letzten Jahren kräftig angestiegen. Kein Wunder: Wer viel arbeitet, findet oft wenig Zeit, sich aktiv auf Partnersuche zu begeben. Und auch die örtliche christliche Gemeinde – nicht selten überaltert und mit deutlichem Frauenüberschuss – ist nicht immer die geeignete Adresse bei der Suche nach einem Ehepartner.

Es gibt 2.500 deutschsprachige Online-Singlebörsen

Da sehen viele im Internet die Chance, fündig zu werden. Online-Partnerbörsen werden deshalb immer populärer. Einer Studie des Branchen-Verbandes Bitkom zufolge hat jeder vierte Deutsche bereits Erfahrungen mit solchen Portalen gemacht; bei den Unter-30-Jährigen kann sogar jeder Zweite auf einen virtuellen Flirt zurückblicken. Derzeit gibt es nach Schätzungen insgesamt rund 2.500 deutschsprachige Online-Singlebörsen – eine große Auswahl für die Millionen Singles. Und die Erfolgsaussichten sind nicht schlecht: Neun Millionen Menschen oder 18 % aller deutschen Internetnutzer haben online einen neuen Partner gefunden (nicht unbedingt einen Ehepartner!). Das ergab eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Aris im Auftrag des Bitkom.

Der Wunsch nach einem gläubigen Partner ist stark

Neben den großen, teils internationalen Plattformen hat sich in Deutschland auch eine Nische religiöser Partnerbörsen etabliert. Es gibt Angebote für Juden, Muslime und Christen. Denn der Wunsch nach einem gläubigen Ehepartner ist nicht zuletzt bei Christen stark ausgeprägt. Heißt es doch in der Bibel: „Zieht nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen“ (2. Korinther 6,14).

In Deutschland sind gemischtreligiöse Ehen die Ausnahme. Von den christlichen Frauen heiraten 73 %, von den christlichen Männern sogar 84 % einen Partner  selben Glaubens. Dies zeigt eine Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, die die amtliche Statistik auswertet. Die Gründe, warum Menschen bei der Partnersuche so viel Wert auf den Glauben legen, liegen neben der biblischen Maßgabe auf der Hand: Wer sonntagmorgens in den Gottesdienst geht, kann das mit einem christlichen Partner besser vereinbaren als mit jemandem, der sonntags gern lang schläft. Auch die christliche Erziehung der Kinder, die gemeinsame Bibellese und das regelmäßige Gebet sind konfliktfrei nur mit einem gläubigen Lebensgefährten möglich.

Eine ganze Reihe christlicher Angebote

Auf den christlichen Onlineplattformen kann man nicht nur die Konfession angeben, sondern zusätzlich auch, welche Rolle der Glaube im Leben spielt oder wie oft man einen Gottesdienst besucht. Die meisten Seiten sind offen für alle Konfessionen, zudem gibt es einige Plattformen speziell für Katholiken.

Himmlisch-plaudern.de

Vor drei Jahren gründete Tobias Zschöckner die Seite himmlisch-plaudern.de. Mit über 17.000 angemeldeten Nutzern ist sie eine der größten christlichen Plattformen im Netz. Zschöckner kam die Idee aus eigener Erfahrung: Er wünschte sich als Single eine christliche Partnerin. In seiner kleinen Gemeinde in Dresden gab es nur wenige Leute in seinem Alter. So machte sich der Junggeselle im Internet auf die Suche. Enttäuscht von kostenpflichtigen Angeboten und überlaufenen weltlichen Portalen, gründete Zschöckner kurzerhand himmlisch-plaudern.de.

Die Internetseite versteht sich sowohl als christliche Gemeinschaft wie auch als Partnerbörse – jedoch nicht als christliche Partnervermittlung. „Wir sind eine Internetseite, auf der sich Freunde vernetzen, aber auch Alleinstehende nach einem passenden Partner umschauen können. Das Verbindende für alle Mitglieder ist der Glaube“, sagt der Betreiber. Eine pfiffige Idee ist die Funktion des „digitalen Lächelns“: Wer einem anderen Mitglied nicht gleich eine Nachricht schreiben möchte, schickt einfach erst mal ein Smiley. Viele Mitglieder berichten von ihrem Erfolg bei der Partnersuche im Netz. So schreibt Nutzerin Damaris: „Ich wollte Euch nur kurz erzählen, dass ich hier bei Himmlisch-Plaudern meinen zukünftigen Ehemann gefunden habe! Es ist wirklich unglaublich, wie Gott Menschen zusammenführt!“

Singlechrist.de

Das Portal singlechrist.de versteht sich dagegen klar als Partnerbörse. Auch geistliche Inhalte in Form von Predigten oder Texten, kleinen Filmen und Tageslosungen sind hier eingestellt. Knapp 9.000 Leute nutzen derzeit die Plattform, um neue Kontakte zu knüpfen. Dabei ist das Verhältnis zwischen Frauen und Männern ausgewogen. „Im Schnitt gibt es im Monat fünf bis sechs uns bekannte Erfolgsgeschichten“, berichtet der Betreiber der Plattform, Friedhelm Hensen. Die Aussichten, einen passenden Partner zu finden, kann man selbst beeinflussen. Hensen weiß: „Es hängt viel davon ab, wie viel Zeit man investiert. Eine ausführliche Beschreibung im Profil, aussagekräftige Bilder im Fotoalbum und aktiver Kontakt mit anderen erhöhen die Chancen, den Traumpartner zu finden. Dass es funktioniert, zeigen eindrucksvoll viele Singlechrist-Pärchen, die vor den Traualtar treten.“

Christsuchtchrist.de

Während der überwiegende Teil der christlichen Netzwerke kostenfrei ist, bietet christsuchtchrist.de für Männer eine zu bezahlende Mitgliedschaft. Das bedeutet: Für wichtige Funktionen, wie das Nachrichtenverfassen, müssen die Männer 29 Euro im Jahr überweisen. Die Betreiber versuchen so, einen Männerüberschuss zu vermeiden. Rund 50.000 Singles sind auf der Plattform registriert. Fragen wie „Gehst du in die Kirche? Wenn ja, wie häufig und weshalb?“, „Engagierst du dich in der Gemeinde?“ oder „Was bedeutet dir der christliche Glaube in deinem Leben?“ bieten einen guten Einblick über den anderen Nutzer. Wer einen vermeintlich passenden Partner gefunden hat, kann unverbindlich „anklopfen“. Über einen Button signalisiert man Interesse, das vom Gegenüber erwidert werden kann – oder nicht. So ist die Schwelle zum ersten Kontakt ebenfalls sehr niedrig.

Gefahr: häufig sind die Erwartungen überhöht

Die Partnersuche im Netz bringt allerdings nicht nur Vorteile mit sich. Wer sich ausschließlich im Internet über „aufpolierte“ Profile ein Bild von seinem Gegenüber macht, hat häufig hohe Erwartungen an ein erstes Treffen. Die Enttäuschung kann dann sehr groß sein, wenn die Bekanntschaft bei der ersten Verabredung in natura vor einem steht. Auch Walter Nitsche, Geschäftsführer des Christlichen Partnerschafts-Dienstes (cpd), sieht die Web-Partnerbörsen kritisch. Neben seiner Agentur für Partnervermittlung hat er in der Vergangenheit auch zwei Online-Partnerbörsen betrieben, sie aber beide wieder eingestellt. „In unseren Online-Singlebörsen tummelten sich Menschen, die gar nicht wirklich an ehrlicher Partnerschaft und Ehe interessiert waren. Die Folgen davon: viel Schmerz, Enttäuschung, verletzte Seelen.“

Seine Partnervermittlung geht anders vor: Teilnehmer füllen Fragebogen zu ihrer Person aus. Mit Hilfe von Computern werden besonders gut zusammenpassende Profile ermittelt. Die Mitarbeiter nehmen diese danach für einen möglichen Ehepartner persönlich in Augenschein. Die suchenden Singles erhalten also nur „handverlesene“ Vorschläge. Erst wenn von beiden Partnern eine Einwilligung zur Kontaktaufnahme vorliegt, erhalten sie vom cpd die Adresse. „Dies ist sicherlich ein Grund, warum die Erfolgsquote des cpd mit 34 % extrem hoch ist. Bei unseren Single-Börsen lag sie – obwohl die Teilnehmerzahl größer war – bei 1 bis 3 %“, sagt Walter Nitsche.

 

 

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2 Kommentare wurden bereits abgegeben

  • 2.  
    schrieb am 15.02.2013 08:01

    Das ist ein sehr informativer Artikel, sehr ausführlich geschrieben und gut recherchiert. Ich möchte folgende christliche Partnersuche empfehlen die noch neu ist und deswegen natürlich in dem Artikel keine Erwähnung finden konnte:

     

    christpartner.com

     

    Die Community ist kostenlos und bietet eine Vielzahl von Funktionen an.

  • 1.  
    schrieb am 12.11.2012 18:55

    Eine wirklich tolle christliche Partnersuche gibt es seit kurzer Zeit hier: www.christliche-partner-suche.de

     

    Die Seite ist zwar noch am wachsen, verspricht aber großes Potential.

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