Christine Caine: Jede Biografie zählt

Nach sieben anspruchsvollen Sessions und einem Konzert der Planetshakers aus Australien hatte vielleicht so mancher der 3.500 Teilnehemer am Sonntag nur noch einen Ausklang des Willow Jugendplus-Kongresses erwartet. Doch Christine Caine von der Hillsong Sydney-Gemeinde lieferte mit ihrem bewegenden und herausfordernden Vortrag vielmehr den eigentlichen Höhepunkt des Veranstaltung.
  • Fotos: Marc Gilgen

 

Christine Caine vom Leitungsteam der weltbekannten Hillsong-Gemeinde in Sydney beeindruckte die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit ihrer eigenen Geschichte: Adoptiert, über Jahre sexuell missbraucht und als Ausländerin geächtet, hatte sie allen Grund, nicht an einen Gott zu glauben, der ihr Bestes will. Doch sie glaubte trotzdem an ihn. Der hatte indes noch einiges mit ihr vor: So Caine sie vielen Jahren bei Hillsong in der Gemeinde-Arbeit beschäftigt und hält Vorträge rund um den Globus.

Das Leid der Kinder ließ sie nicht mehr los

Als sie eines Tages auf einem Flughafen Such-Plakate von vermissten Kindern sah, die dem Menschenhandel zum Opfer gefallen waren, ließ sie dies nicht mehr los. Ihr wurde deutlich, dass sie nur noch für ihre geistlichen Termine lebte und die Bedürftigen am Wegesrand liegen ließ – wie im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter. Nach einigem Ringen mit Gott, bei dem sie ihm immer wieder Einwände entgegengebracht hatte, warum sie als Einzelne doch nichts gegen Menschenhandel tun könne, entschied sie sich schließlich, mehr auf Gottes Fähigkeiten zu vertrauen als auf ihre eigenen.

Nicht von abstrakten Zahlen entmutigen lassen

Inzwischen ist Caine Leiterin der „A21-Campaign“, einer Organisation, die sich in mehreren Ländern gegen Menschenhandel einsetzt und vor allem jungen Mädchen hilft, die entführt und zur Prostitution gezwungen wurden. Und das sind viele. Allein in Griechenland, dem Geburtsland Caines, werden täglich fast 2.000 Kinder an Freier verkauft. Doch sie lässt sich nicht von abstrakten Zahlen entmutigen. Ihr ist jede einzelne Biografie wichtig – so wie auch Gott jeden Einzelnen beim Namen kennt.

Auf die Grenzenlosigkeit Gottes schauen

Natürlich kann nicht jeder eine Organisation für Benachteiligte gründen. Doch Caine machte den Teilnehmern Mut, statt auf die eigene Begrenztheit auf Gottes Grenzenlosigkeit zu schauen. Rob Bell und Darren Whitehead konnten in ihren Vorträgen zwar durch ihre lockere Art und witzige Sprüche die Menge begeistern. Christine Caine aber war durch ihr persönliches Zeugnis das Vorbild des Kongresses.

Nur ein Hochgefühl?

In Düsseldorf waren Brüche nicht zu spüren, die in den Sessions des Kongresses immer wieder thematisiert wurden. Vielmehr zeigte sich eine Christenheit, die aufsteht, um die etwas gegen diese Brüche zu unternehmen. Ob die vielen jungen Leute dieses gemeinschaftliche Ziel auch ganz praktisch im Alltag umsetzen, ist eine andere Sache. Das Traurige am Eventcharakter solcher Veranstaltungen ist ja oft, dass man ein Hochgefühl mitnimmt, das im Alltag schnell wieder verfliegt. Aber das liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen.

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