Chris Tomlin: Es geht um Gott, nicht um mich!
Er verkaufte über 3 Millionen Platten, seine Lieder werden in vielen modernen Gottesdiensten auf der ganzen Welt gesungen: Chris Tomlin. Nun wurde er für sein aktuelles Album „And if our god is for us ...“ mit dem Grammy Award für das „Best Contemporary Christian Music Album 2011“ ausgezeichnet. Susann Schreiber hat den US-amerikanischen Lobpreis-Musiker im vergangenen Sommer exklusiv für idealisten.net interviewt. Ihr Eindruck: Starallüren? Fehlanzeige!
Lässig lümmelt sich der überraschend kleingewachsene Texaner auf dem Sofa. Karo-Hemd, Jeans, Lederjacke – und keine Spur von Nervosität. Dabei ist Chris Tomlin zum ersten Mal in Deutschland. Fast 5.000 Fans erwarten den 39-jährigen Lobpreis-Star beim Himmelfahrtfestival 2011 in der Heilbronner redblue-Halle – und werden nachher mit ihm gemeinsam lautstark Gott loben. Was Tomlin noch nicht wusste: Jeder hier kennt seine Lieder, alle singen mit! Es wurde ein Auftritt wie ein Heimspiel.
Es geht darum, Gott zu suchen
Chris, wie bist Du zum Glauben gekommen?
Ich ging schon als Kind mit zum Gottesdienst, daheim in Grand Saline in Texas. Mit 9 Jahren war ich bei einem Konzert tief bewegt. Während einer Andacht spürte ich plötzlich mit meinem ganzen Körper: Die Sache mit Jesus ist wahr! Ich verstand in diesem Moment, wer er ist und was er für mich getan hat. Ich war so dankbar! Wobei ich nicht glaube, dass Errettung eine einmalige Sache ist – ein Gebet und das war’s. Es geht darum, auf Gott zu hören, ihn zu suchen, ihm zu folgen, sodass die Beziehung immer tiefer wird.
Es war ein langer Weg...
Woher wusstest Du, dass Du zum Musikmachen berufen bist?
Ich habe das nicht geplant! Worship-Musik hat mich schon immer total begeistert, aber ich wusste nicht genau, was ich tun solle. Ich habe nicht zu Gott gesagt: „Ich möchte Musiker werden“, sondern habe mich – als ich 13 oder 14 war – unter einen Baum gekniet und gebetet: „Du bist Gott der ganzen Schöpfung! Was auch immer Du möchtest, dass ich mit meinem Leben tue – hier bin ich! Ich möchte Dein Werkzeug sein.“ Ich liebte Musik, mein Vater brachte mir Gitarrespielen bei. Doch es war ein langer Weg – vom Lobpreis in der Gemeinde über die ersten selbst geschriebenen Lieder und meine erste CD bis heute. Ein Weg, auf dem ich Gott immer wieder um Klarheit gebeten habe, die er bestätigt hat.
Gott hat auf alles eine Antwort
Man spürt, dass Du brennst für Jesus. Hast Du nicht auch einmal Zweifel an dem, was Du singst?
Nein! Natürlich gibt es auch bei mir Tage, an denen ich Gott nicht spüre, an denen ich nicht sicher bin, ob Gott mich hört. Und doch bin ich ganz tief davon überzeugt, dass Gott für uns ist und dass mit ihm alles möglich ist! Genau das drückt der Titel meiner neuen CD aus: „Wenn Gott für uns ist, wer kann gegen uns sein?“ (Römer 8,31) Ich möchte den Menschen durch meine Musik vermitteln: Gott hat auf alles eine Antwort, er kann uns heilen, sogar von Abhängigkeiten freimachen. Für Gott ist nichts unmöglich! Meine Lieder sollen dazu beitragen, dass der Glaube der Zuhörer gestärkt wird oder weiter wächst.
Ich halte mich gar nicht für berühmt!
Wie gehst Du damit um, einerseits reich und berühmt zu sein – und andererseits Dir selbst, Deiner Berufung und Gott treu zu bleiben?
Oh, ich halte mich gar nicht für berühmt! Mag sein, dass mich auf der Straße mal jemand erkennt … Es war und ist einfach Gottes Gnade! Dieses Wissen möchte ich mir erhalten, ihm verantwortlich bleiben und demütig mit ihm unterwegs sein darf. Das war alles nicht geplant – es war einfach Gnade. Je weiter mein Einfluss reicht, umso mehr möchte ich auf Gott hören und auf seine Führung achten. Es geht um Gott, nicht um mich!
Es liegt in Gottes Hand, wie er die Songs benutzt
Was treibt Dich an?
Ich möchte den Menschen mit meinen Liedern eine Stimme verleihen, um Gott zu loben. Eines meiner Lieblingslieder auf der neuen CD ist „All To Us“. Es fasst zusammen, was ich mit meiner Musik erreichen möchte: „Let the glory of Your name be the passion of the Church.“ (Lass es die Leidenschaft der Gemeinde sein, deinen Namen zu verherrlichen) Weil Gott alles für uns bedeutet! Ich hoffe dazu beizutragen, dass Gott die Leidenschaft unseres Lebens wird. Es liegt in Gottes Hand, wie er die Songs benutzt.
Ich nehme meine Begabung sehr ernst
Du schreibst viele Songs zusammen mit anderen Musikern. Wie schätzt Du Dich als Teamworker ein?
Ich liebe es, mit anderen zusammenzuarbeiten! Ich bin der Organisator, gehe den anderen hinterher, motiviere sie, das Beste aus sich herauszuholen. Ich nehme das sehr ernst, denn Gott hat uns mit der Gabe der Musik ausgestattet – damit wir den Menschen helfen, auf ihn zu hören und mit ihm in Kontakt zu treten. Mit anderen zusammen zu schreiben, macht die Lieder noch besser.
Sich selbst nicht zu wichtig nehmen
Gibt es etwas, was dich in der christlichen Musikszene nervt?
Gute Frage! Ich hoffe immer, dass sich die Leute nicht zu wichtig nehmen. Es ist Jesu Sache, um die es geht. Doch gerade in Amerika ist die christliche Musik ein riesiger Wirtschaftszweig, mit Radiosendern, Plattenläden u. a. Da steckt viel Dynamik drin – was sein Gutes hat, aber eben auch manche Gefahr darstellt. Doch die meisten christlichen Musiker haben das Herz am rechten Fleck und möchten einfach nur Gott dienen.
Ich werde viel kritisiert – von Christen
Wie gehst Du mit Kritik um?
Ich werde viel kritisiert – übrigens nicht von Nichtchristen, sondern aus den Gemeinden! Aber das ging ja Jesus schon so mit den nörgelnden Pharisäern. Was mich stärkt: Ich mache einfach das, was mir Gott aufgetragen hat! Welche Bedeutung hat es da schon, was andere Menschen sagen? Zumal in der heutigen Zeit des Internet, wo jeder jedem jederzeit ungefragt alles sagen kann. Wenn ich in meinem Herzen Frieden habe, macht mir das aber nichts aus!
Singe die Bibel!
Hast Du einen Tipp für junge Songwriter?
Dein Lied muss eine Antwort auf Gott sein! Es kommt nicht darauf an, einen hippen Song zu schreiben, der das Wort ‚Jesus’ enthält und möglichst oft im Radio läuft. Ein Worship-Song sollte darauf antworten, wie Gott ist. Öffne die Bibel, singe sie und lass Dein Herz Gott loben. Das sind die stärksten Lieder!
Gott versteckt sich nicht vor uns
Wie können Teenager und Jugendliche ihren Weg finden?
Die entscheidende Frage ist: Was ist Gottes Wille für mein Leben? Das Gute ist: Gott versteckt sich nicht vor uns! Er ist nicht das ferne Mysterium, das uns im Unklaren darüber lässt, welchen Weg wir einschlagen sollen. Die Bibel sagt sehr klar: Folge Gott in Demut nach; hilf den Armen; liebe deinen Nachbarn – darum geht es: Bleibe an seinem Wort dran, tauche richtig darin ein! Viele Leute behaupten, sie wüssten den Weg. Aber Gott hat uns in seinem Wort den Weg gewiesen, wie wir unser Leben verbringen sollen! Es kommt nicht darauf an, ob du ein Musiker bist, ein Arzt oder ein Computerspezialist – wenn Du Dein Leben für Gott lebst! Das ist das Größte: Was immer du tust – tue alles zur Ehre Gottes.
Vielen Dank!
Flash ist Pflicht!







