Charlotte Roche im Kriegsgebiet Wendland

Als VIVA-Moderatorin ist sie bekannt geworden. Mit ihrem Roman „Feuchtgebiete“ erlangte sie dann Berühmtheit. Über sieben Monate stand ihr literarisches Debüt auf Platz eins der Charts. Was die 32jährige Charlotte Roche anfasst, scheint zu gelingen. Nun versuchte sich das Medientalent als Kriegsberichterstatterin im Wendland. „Am Freitagabend bei meiner Ankunft wirkte das Wendland auf mich wie ein Kriegsgebiet – überall war Polizei“, erzählte Roche der Süddeutschen Zeitung.
  • Foto: Flickr/DIE LINKE. Niedersachsen

 

Die Proteststimmung in Deutschland erreicht in diesem Jahr anscheinend immer neue Höhepunkte. Erst Sarrazin, dann Stuttgart 21 und am letzten Wochenende der Castor-Transport im Wendland. Zirka 50.000 Menschen demonstrierten in Gorleben gegen die Lagerung des Atommülls. Geschätzte 20.000 Polizisten versuchten Ordnung in das Chaos zu bringen und gewalttätige Ausschreitungen der Demonstranten zu verhindern. Hundertprozentig gelang das nicht. Für mediales Aufsehen sorgte insbesondere das „Schottern“. Dies meint das Entfernen von Steinen aus dem Gleisbett unter den Schienen. Anti-Atomkraft-Aktionisten erhofften sich davon, den Castor-Transport verzögern zu können.

Charlotte Roche hatte im Vorfeld ihrer erst zweiten Demonstration gesagt, auch sie wolle „schottern“. Vor Ort beteiligte sie sich dann aber doch nicht am Kampf gegen die Atomkraft, weil sie zu viel Angst verspürt hatte. Der Süddeutschen Zeitung schilderte sie ihre Erlebnisse in überzeichnenden Worten: „Alle paar hundert Meter gab es Kontrollen und es hieß: ‚Aussteigen, Ausweis zeigen, Kofferraum auf!’ Das Auto wurde durchsucht und sie haben einem mit der Taschenlampe ins Gesicht geleuchtet.“

Wir leben doch in keinem Polizeistaat!

Solche Szenen klingen wirklich nicht nach Deutschland. Wo ist Roche denn hier hingeraten? In einen Polizeistaat? Die Bestseller-Autorin verschätzt sich in ihrer Einschätzung der Lage im Wendland gehörig. Es ist doch schon ein Zeichen von außerordentlicher Güte des Staates, dass Roche überhaupt anreisen durfte, obwohl sie sich im Vorhinein damit gebrüstet hat, Straftaten begehen zu wollen, nämlich zu schottern.

Für Roche ist ohnehin klar, wer kriminell ist. „Ich habe das Gefühl, dieser kriminelle Turbobeschluss im Bundestag war alles andere als rechtsstaatlich! Was die Regierung bei den Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke beschlossen hat, ist viel schlimmer, als wenn da jemand ein paar Steine wegräumt“, so Roche. Abschließend kündigte sie – nicht ganz ernst gemeint – an, sich „nächstes Jahr an die Gleise ketten“ zu wollen.

Recht und Unrecht spielen bei Roche keine Rolle mehr

Bemerkenswert an diesem Interview ist, wie Roche moralische Kategorien verschiebt und die Wirklichkeit unkenntlich macht. Polizisten, die nur ihrem Dienst nachgehen, sind auf einmal Vollstrecker einer kriminellen Vereinigung. Demonstranten hingegen, die Straftaten begehen, werden in den friedlichen Protest eingereiht. Recht und Unrecht gelten für Roche also nicht mehr. Für sie ist nur die ihrer Meinung nach richtige Gesinnung ausschlaggebend, für deren Durchsetzung sie auch kriminelle Methoden rechtfertigt.

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