„Blutsbrüder“ im Drogensumpf

Auch für Fernsehjunkies versuchen Online-Pioniere ansprechende Angebote zurechtzuzimmern. Dabei entwickelt sich ein eigenartiges Gesetz, das nahe legt, Fernsehen und Drogen haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick glaubt. Die aufwändig produzierte Webkrimiserie „Blutsbrüder“ bewegt sich zusätzlich noch im Berlin-Neuköllner Drogenmilieu. Quod erat demonstrandum.
  • Foto: 3min.

 

Vom 27. Mai bis 6. Juni lief auf dem Webserienportal 3min.de in zwölf vier- bis sechsminütigen Injektionen der auf junge Zuschauer zugeschnittene Krimi, der die Themen Freundschaft, Drogen, Party und Sex abdeckt. Was bei Drogensüchtigen funktioniert, möchte „Blutsbrüder“ imitieren: In immer kürzeren Abständen soll der Abhängige zu einer kleinen Dosis greifen und sein Bedürfnis kurzzeitig stillen. Doof nur, dass wie bei Drogen nach dem Rausch ein unbefriedigendes Gefühl zurückbleibt.

Injektionen verfehlen ihre Wirkung 

Dies liegt zum einen an der Werbung vor jeder Sendung. Wer hält es schon aus, aller fünf Minuten einen Mini-Werbeblock über sich ergehen zu lassen? Das raubt der Droge total ihren Reiz.

Zum anderen hält sich beständig ein leichtes Unbehagen in der Magengegend, weil „Blutsbrüder“ zwar alle wesentlichen Fragen der Jugend aufwirft, aber nicht imstande ist, sie zu beantworten. Wie viele Jugendserien, in denen Drogen von jungen Dealern mit infantilen Namen verkauft werden, gibt es eigentlich schon? Braucht es da wirklich noch einen Onlineableger? Der Migrant Turbo (Kida Khodr Ramadan) und sein Kumpel Schlumpf (Antonio Wannek) durchstreifen meistens zu nächtlicher Stunde Berlin-Neukölln. Doch – welch spannendes Motiv – die Polizei ist ihnen schon auf den Fersen und will über Neueinsteiger Schlumpf an die „großen Fische“ der Drogenszene herankommen.

"Sex, Drugs and Rock'n'Roll" sind nicht alles, was die Jugend bewegt 

Haben wir das nicht schon tausendmal gesehen? Ja, ganz bestimmt. Deshalb ist nicht nur das Format des kleinteiligen Webkrimis, sondern auch ihr Inhalt wenig suchterzeugend. Drogen haben also doch nicht so viel mit Fernsehen zu tun, wie es anfangs schien.

Regisseur Til Obladen und seine Mannschaft haben wahrscheinlich gehofft, mit "Sex, Drugs and Rock'n'Roll" die Bedürfnisse der Jugend anzusprechen, wobei der Rock'n'Roll vom Rap verdrängt wurde. Deshalb hat der Berliner Rapper Alpa Gun den Soundtrack beigesteuert.

Die hier gepflegte Vorstellung von der Jugend und das zugleich in der Serie vermittelte Bild von hier begehen jedoch einen entscheidenden Fehler: Sie schmücken die Negativbeispiele aus. Besser wäre es, endlich einmal die Geschichten von Vorbildern zu inszenieren und den Orientierungslosen Wegweiser aufzustellen.

Hier geht's zur Serie.

 

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