Bin ich ein Seelsorgefall?!

Stress an Weihnachten gehabt? Ist der alljährliche Familienstreit mal wieder hochgekocht? Haben sich Deine Ängste wieder bewahrheitet? Dann kannst Du vielleicht jemanden ganz gut gebrauchen, der sich um deine Seele sorgt. Denn Seelsorge ist nicht nur für Menschen gedacht, die mit ihrer Geschichte und ihrem Leben nicht mehr zurecht kommen. Sie kann vielmehr jedem von uns gut tun.
  • Foto: Flickr/Joe Houghton

Ein Seelen-sorger

Irgendwie sehnen wir uns doch alle nach Menschen, die sich um unsere Seele sorgen. Menschen, die verstehen, wie es uns geht. Menschen, mit denen wir die nächsten Schritte besprechen können, wenn wir in einer Sackgasse stecken. Eben einfach einen Seelen-sorger.

Der Begriff Seelsorge

Nun wird das Wort Seelsorger ganz unterschiedlich verstanden. Für die einen beginnt Seelsorge schon mit dem Gespräch zweier Freunde, die sich über ihre Sorgen austauschen. Andere verstehen darunter feste Gesprächstermine mit Menschen, die sich in der Kirche oder Gemeinde als Seelsorger anbieten. Für wieder andere ist ein Seelsorger nur jemand mit einer abgeschlossenen Seelsorgeausbildung. Im Folgenden soll es um christliche Seelsorge gehen, die zwischen einem Ratsuchenden und einem mehr oder weniger ausgebildeten Seelsorger stattfindet.

Jeder trägt sein Päckchen

Seelsorge bietet uns die Chance, Defizite unserer Seele aufzuarbeiten. Dort, wo durch Schicksalsschläge, familiäre Probleme, Krankheit oder ähnliches Wunden an unserer Seele entstanden sind, versucht die Seelsorge anzusetzen. Nahezu jeder von uns trägt sein Päckchen an Minderwertigkeit, Wut, Jähzorn, Angstzuständen, Überheblichkeit, Egoismus oder sonstigen zerstörerischen Eigenschaften mit sich.

Nicht nur Symptome erkennen

Die Seelsorge versucht, an genau diesem Punkt anzusetzen. Sie versucht zu sehen, wo unsere zerstörerischen Verhaltensweisen herrühren, welche Lasten der Vergangenheit wir noch mit uns herum schleppen, und was nötig ist, um diese zu verarbeiten. Seelsorger wollen dabei helfen, sich selbst zu hinterfragen und nicht nur den Symptomen, sondern vielmehr den Ursachen von Verletzungen auf den Grund zu gehen. Dabei sind Seelsorger nicht dafür da, uns vorgefertigte Lösungen zu präsentieren, sondern viel mehr uns auf dem Weg zur Problemlösung zu begleiten.

Gemeinsam an die Ursachen

Bei manchem mögen diese Ursachen nur wenige Wochen oder Monate zurückliegen. Vielleicht wurde man von anderen verletzt und ist nicht bereit, zu vergeben. Diese Unversöhnlichkeit führt schnell zu Bitterkeit und macht das Herz hart. Hier können Seelsorger helfen, die Gründe für die Bitterkeit zu erkennen.

Für Andere liegen die Ursachen manchmal schon Jahre und Jahrzehnte zurück. Dort, wo Menschen unbarmherzige oder auch extrem zielstrebige Eltern hatten. Dort, wo sie sich als Kinder abgelehnt fühlten oder sogar seelisch oder körperlich missbraucht wurden. All das können Ursachen sein, die uns als Jugendliche und Erwachsene das Leben schwer machen, weil wir durch die Erlebnisse Abwehrmechanismen aufgebaut haben. Dies kann dazu führen, dass wir uns schwer tun, gesunde Beziehungen zu führen, zu vertrauen. Wir haben Verlustängste, flüchten in Phantasiewelten ... Die Liste könnte man mit unzähligen weiteren Beispielen füllen.

Seelsorge als Zukunftschance

Manchmal brauchen wir also Menschen, die sich mit uns auf den Weg machen, um herauszufinden, warum wir uns in manchen Situationen destruktiv verhalten. Und da ist es absolut nicht peinlich, den Rat von Seelsorgern zu suchen. Im Gegenteil: Es zeugt eher von Größe, wenn man bereit ist sich nicht mehr von der Vergangenheit und dort entstandenen Wunden bestimmen zu lassen, sondern sich darum bemüht, dies aufzuarbeiten, um ein zufriedeneres und selbstbestimmteres Leben zu führen.

Seelsorge ist keine Psychotherapie

Dort wo die Ursachen zu psychischen Störungen geführt haben und Menschen dadurch in Depressionen oder sonstige psychische Krankheiten fallen, kommt die Seelsorge an ihre Grenzen. Seelsorger haben keine Befugnis, medizinische Diagnosen zu stellen oder gar Medikamente zu verschreiben. Dazu sind Therapeuten da. Dabei empfiehlt es sich durchaus, neben der Therapie auch in der Seelsorge zu bleiben. Denn bei den meisten Therapien bleibt Jesus und der Glaube außen vor. In der Seelsorge hingegen, wie sie oben definiert wurde, ist Jesus die Grundlage allen Handelns. Und da Jesus der Einzige ist, der unsere Seele tatsächlich durch und durch kennt und der weiß, wie wir am Besten heil werden, sollte er auch die Grundlage für jedes seelsorgerliche Gespräch sein.

Seelsorge für Jedermann

Seelsorge kann also ein ergänzendes Angebot bei psychischen Störungen sein. Doch auch, oder besonders, für psychisch gesunde Menschen ist es angebracht, Seelsorge in Anspruch zu nehmen. Denn die Seele leidet immer wieder unter verschiedensten Anfeindungen und braucht manchmal einfach jemanden, der sich um sie sorgt. So kann man sein Leben befreiter und zufriedener in die Hand nehmen, und neuen Herausforderungen begegnen.

Tipps

Einer der deutschen Pioniere in Sachen Seelsorge ist Reinhold Ruthe. Er hat über 100 Bücher geschrieben, z.B. „Vom Umgang mit Defiziten: Lösungen, die das Selbstvertrauen stärken“, Brunnen Verlag, 144 Seiten, 10,95 Euro, ISBN 3765514497

Um selbst seelsorgerliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, bieten BTS und team.f die Dienste ausgebildeter Seelsorger an - dort kann man sich übrigens auch selbst zum Seelsorger ausbilden lassen.  

Wer auf der Suche nach einer Psychotherapie auf christlicher Basis ist, wird bei der Fachklinik de’ ignis fündig.

 

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