Ausweg aus der Porno-Falle
Pornosucht: Ein Tabu-Themen in der christlichen Szene. Während sich mancher Nichtchrist zu seinem Pornokonsum bekennt, wird darüber in christlichen Kreisen meist geschwiegen. Doch etwa jede vierte Frau und jeder zweite Mann hat sich schon etwas angesehen. Phil Pöschl, selbst jahrelang abhängig, will das Thema aus der Tabu-Ecke holen.
Heimlich Sexfilme und Live-Shows
14 Jahren lang ist Phil süchtig nach Pornographie. Was mit einem zufällig gefundenen Pornoheft in Phils Kindheit begann, nimmt ihn immer mehr gefangen. Heimlich kauft er sich Sexfilme und Erotik-Zeitschriften. Nächtelang surft er auf Porno-Seiten in Internet. Zweimal geht er sogar in Live-Shows. Auch nach einem längeren Missionseinsatz im Ausland und einer zweijährigen Bibelschulausbildung bleibt das Problem bestehen. „Abends predigte ich vor Jugendlichen, nachts schaute ich mir solches Zeug im Internet an.“ Er wusste, dass seine geheimen Taten nicht mit Gottes Willen zusammenpassen.
Konsequente Schritte gehen
Dann ertappt ihn seine Freundin. Sie ist geschockt, hat aber auch Mitleid mit ihm. „Ich war am Boden zerstört, weil ich merkte, wie sehr ich sie verletzt hatte“, berichtet Phil. Lange reden sie über sein Problem. Sie lassen sich von einem erfahrenen Ehepaar begleiten. Regelmäßig erkundigen diese sich nach seinem Ergehen, sogar wenn er auf Dienstreise ist. Übernachtet er in einem Hotel, lässt Phil die Erotikkanäle im TV sperren. Auf den Fernseher klebt er sich Fotos von seiner Familie und telefoniert abends mit seiner Frau.
Das Problem ans Licht bringen
„Was mir geholfen hat, war vor allem, gegenüber anderen ehrlich zu sein“, sagt er heute. Zwar sollte man der Partnerin von dem Problem berichten, auf Details aber verzichten. Schließlich verletze das zu sehr. Wichtig sei es, ein paar gute Freunde zu haben, denen man gegenüber Rechenschaft ablegt. Der erste Schritt, der Pornosucht Herr zu werden, sei, die Dinge nicht mehr zu verheimlichen. Man müsse sie ans Licht bringen und mit anderen darüber reden.
Locker bleiben bei Versuchungen
Gleichwohl weiß er, dass Versuchungen überall lauern. Darum gelte es, entspannter zu werden. „Registrier die Dinge, aber studiere sie nicht, riet mir ein Freund.“ Wenn man eine hübsche Frau auf der Straße sieht, solle man einfach locker bleiben und sich denken: „Sie ist hübsch – aber na und?“ Wichtig sei es, in den Gedanken nicht weiterzugehen und sich vorzustellen, was man mit ihr machen könnte.
„Pornografie lässt leer. Es erfüllt nicht, es gibt nicht die Liebe, die Menschen eigentlich suchen. Wichtig ist, sich mehr auf Gott einzulassen und sich von seiner Liebe erfüllen zu lassen“, so sein Fazit heute. Deshalb redet er heute offen über sein früheres Problem. Schließlich sei die Beschäftigung mit pornografischen Inhalten auch in christlichen Kreisen weit verbreitet.
Ein weit verbreitetes Problem
Vor zwei Jahren gründete er den Verein „Nackte Tatsachen“. Gemeinsam mit anderen ehemals Betroffenen hält er Seminare und Vorträge auf Jugendveranstaltungen, predigt in Gottesdiensten und auf Kongressen. Der Bedarf an Hilfsangeboten ist seinen Angaben nach riesig. Zwei Millionen Seitenaufrufe haben die von ihm initiierten Internetangebote wie loveismore.de, nacktetatsachen.at u. ä in nur zwei Jahren gehabt. Dort finden Betroffene Erfahrungsberichte und Infos über weitergehende Beratungsangebote.
Buchtipps:
Mike Genung: „Mein Weg zur Heilung – Eine Biografie“, 15,90 Euro, Exklusiv-Vertrieb über www.loveismore.de
Ilona Jacobs: „Ich war eine von vielen: Wenn Pornografiesucht eine Ehe gefährdet“, Francke-Buchhandlung, ISBN: 978-3868271195, 9,95 Euro
Ralph H. Earle/Mark R. Laaser: „Wenn Bilder süchtig machen: Sexuelle Abhängigkeiten erkennen - Falsche Verhaltensweisen loslassen - Seelische Heilung erfahren“, Brunnen-Verlag, ISBN: 978-3765513558, 13,95 Euro
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