Auf Menschenfang im Internet
Es klingt ganz harmlos: YouTube-Kanäle zum Thema Menschenrechte und Infoclips zur Drogenprävention. Doch hinter den Onlinevideos steckt Scientology. Die Sekte versucht verstärkt, über das Internet Einfluss auf junge Leute zu nehmen.
Scientology wirbt mit Menschenrechtsvideos
Videos in Fernsehqualität, die jedes einzelne der 30 Menschenrechte der UN-Menschenrechtscharta präsentieren. Das Ganze jugendgerecht aufbereitet und im Internet frei zugänglich. Kein Wunder, dass man da nicht zweimal nachfragt. Doch der Urheber dieser Videos ist Scientology, die Organisation mit totalitärem Anspruch und menschenverachtenden Tendenzen. So ist es im Verfassungsschutzbericht 2010 des Landes Nordrhein-Westfalen festgehalten.
Das Perfide daran: Mit ihrer glänzenden, offiziellen Aufmachung und der Positionierung im Dunstbereich der YouTube-Kanäle von EU, Unicef, den Vereinten Nationen und Amnesty International wirken die Videos ungemein glaubwürdig und werden oft von Schülern zur Referatsvorbereitung verwendet. In den Clips wird per Link auf die Webseite von „Jugend für Menschenrechte“ weiterverwiesen und dazu aufgerufen, diese Organisation zu unterstützen. So kommt Scientology direkt an Adressen.
Selbst die Vereinten Nationen ließen sich täuschen
Selbst die Vereinten Nationen haben sich davon schon täuschen lassen: Die UN stellte der amerikanischen Mutterorganisation „Youth for human rights“ gar den Plenarsaal im New Yorker UN-Hauptgebäude für einen Jugendkongress zur Verfügung und verkaufte im UN-Buchladen eine DVD der Organisation.
Leichter Zugang zu jungen Menschen über das Internet
Eine ähnliche Masche verfolgt die Kampagne „Sag Nein zu Drogen – sag Ja zum Leben“.Unter diesem hehren Motto versucht Scientology ebenfalls, Einfluss zu nehmen. Auch hier gilt: Anstatt mit Broschüren in Fußgängerzonen für sich zu werben, verschafft sich die Sekte quasi über die Hintertür Zugang zu jungen Leuten – ohne dabei den Eltern die Chance zu geben, dies zu verhindern.
Auch Rechtsextremismus ist stark vertreten
Scientology ist aber nicht die einzige Gruppierung, die im Internet und über Soziale Netzwerke versuchen, Einfluss zu gewinnen. Auch das Rechtsextreme sind dort stark vertreten, wie das Bundesamt für Verfassungsschutz berichtet. Diese nutzen die sozialen Medien vor allem, um untereinander Kontakte zu knüpfen und Netzwerke zu bilden. Aber auch die Gewinnung von Sympathisanten hat für sie hohe Priorität.
Als Antwort darauf haben sich Netzwerke wie StudiVZ, SchülerVZ, MeinVZ, Jappy, aber auch Myspace, kicker.de oder Fudder zur Initiative „Soziale Netzwerke gegen Nazis“ zusammengeschlossen. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, rechtsextremer Propaganda keine Plattform zu bieten. Dabei sind vor allem die Nutzer dazu aufgefordert, verdächtige Inhalte zu melden. Die Betreiber wollen diese dann schnellstmöglichst entfernen.
Augen offenhalten
Gegen extremistische Propaganda - links wie rechts - hilft wohl nur, die Augen offen zu halten. Als mündiger Staatsbürger sollte man sich bewusst sein, wie leicht man beeinflusst werden kann, und sich informieren – zum Beispiel durch die Lektüre des Verfassungsschutzberichtes. Aber auch eine gewisse Verantwortlichkeit gegenüber Familienmitgliedern, die nicht in der Lage sind, sich angemessen zu informieren, ist angebracht: Gerade jüngere Geschwister und Kinder könen oft noch nicht zwischen Informationen und Propaganda differenzieren. Deshalb sollte man sie nicht unbegleitet surfen lassen.
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