Atomenergie? Idealer Weise nicht!

Atomenergie: Giftmüll mit ewiger Strahlkraft oder saubere und sichere Technologie mit nur noch kurzer Existenz? Am Anfang war sie als unabhängige Energieversorgung ein wichtiger Pfeiler auf dem Weg zu einem geeinten Europa. Doch das ist Geschichte und junge Menschen stellen sich oft die Frage: Wer schert sich eigentlich um die Gestaltung unserer Zukunft? Und in Sachen „Endlagerung“ treibt uns umso mehr die Frage um: Wo bitte hin mit dem Zeug?
  • Wie soll es mit den Atomkraftwerken weitergehen? Foto: Flickr/Last Hero

 

Abwälzen der Probleme

Was man derzeit beobachten kann ist der Trend, die Debatte zu großen Teilen umzuschichten. Da ist zum Beispiel die Erhöhung des Importes russischen Gases, die uns nur möglich gemacht wird, da man dort durch den Neubau von Atomkraftwerken Ersatz für die exportierte Energie schafft. Somit haben dann unsere russischen Altersgenossen das Problem am Hals.

Sich nicht aus der Verantwortung ziehen

Und, ja: So etwas stimmt mich erstmal versöhnlicher, denn direkt betroffen bin ich von atomaren Brennstäben ja sowieso nicht. Ebenso wenig wie von der Neuverschuldung, dem Problem der von Armut Gepeinigten oder der globalen Erderwärmung (deren Existenz vorausgesetzt). Aus den Augen, aus dem Sinn! Würde denn irgendwer etwas davon merken, wenn irgendwo in Deutschland, in ein paar Hundert Meter Tiefe, radioaktiver Müll vor sich hin gammelt oder gar Leck schlägt? Wohl kaum, fände dann nicht emsig-medialer Rummel darum statt!

Was ist zu tun?

Aber wenn sich nun schon wenige Verantwortungsträger um die zukünftigen Generationen kümmern, sollten wir jungen Menschen dann nicht um so mehr Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen und sie aktiv mitzugestalten? Und dazu gehört mit Sicherheit auch die Courage mich zu fragen, ob ich meinen eigenen Energiekonsum reduzieren möchte. Ja, genau: Dann müsste ich darauf achten, ob ich mit dem Auto oder dem ÖPNV fahre, wie ich iPods und Computer nutze, ob ich auf meine Heizung oder Duschzeit achte.

Das scheint eine der großen Herausforderungen zu sein: Ein Hoffen und Vertrauen darauf, dass mein Handeln etwas bewirkt, dessen Auswirkungen ich zunächst nicht sehe. Dabei darf ich mich nicht darauf ausruhen, ein paar Energiesparlampen zu installieren, als Beruhigung eines etwaigen schlechten Gewissens; denn das reicht nicht weit (der Einsatz von Energiesparlampen birgt im Gesamtverbrauch eines Haushaltes lediglich ein Einsparpotenzial um die 2%).

Atomkraftwerke mit geringstem Kohlendioxid-Ausstoß

Aber zurück zur Energiequelle. Könnten denn, wenn sie schon mal laufen, die Atomkraftwerke nicht auch noch 30 – 50 Jahre länger laufen? Was wäre schon Schlimmes dran? Zumal die Atomenergie im Vergleich zu den erneuerbaren Energien den geringsten Kohlendioxid-Ausstoß  aufweist, so wird häufig angeführt. Und auch mit den erneuerbaren Energien ist es nicht von ungefähr: So können z. B. Solaranlagen die Energie, die für ihre Herstellung aufgewendet wurde, erst in 16-20 Jahren erzeugen.

Eine Frage der Sicherheit

In Sachen Atomkraftwerke blieb jedoch bislang eines auf der Strecke: Die Sicherheit. Einerseits die akute, zum Beispiel durch terroristische Anschläge. Die Folgen eines Anschlages auf ein Atomkraftwerk sind nicht abzuwägen und schon gar nicht auszumalen. Im Grunde setzt man seine Umwelt und Mitmenschen damit einem unkalkulierbaren und damit unverantwortbaren Risiko aus. Darüber hinaus bleibt die Frage, wer ernsthaft die Sicherheit einer etwaigen Endlagerstätte für über 10.000 Jahre gewährleisten kann? Und so wird das Risiko auf unsere ohnmächtigen Nachfahren abgewälzt. Und wir? Wir hoffen, dass alles gut ausgeht.

Der berühmte Philosoph Robert Spaemann bezog dazu vor nicht allzu langer Zeit in der FAZ Stellung: Es scheine, als müssten wir den Karren erst vor die Wand fahren, bis wir das Potenzial aufbringen um unser Verhalten zu ändern und nach leb- und vertretbaren Alternativen zu forschen. Spaemann nennt das Ausbleiben dieses Potenzials ein Gründen auf den „Verbrauch von Zukunft“.

Politik in der Pflicht

Es wäre insbesondere Aufgabe einer Politik, die sich aus christlicher Tradition speist und dieser verpflichtet ist, die Schöpfung nicht zu Verbrauchen, sondern zu erhalten und zu gestalten. Die Christliche Ethik gründet in Hoffnung und mahnt zum liebevollen Umgang und Verantwortung mit der Zukunft.

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