Am Ende des WM-Regenbogens

Die WM in Südafrika ist vorbei. Erst in den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob und wie der vierwöchige Sport- und Medienrummel das Land beeinflusst hat. Denn Armut, Rassismus, soziale Disparitäten und die HIV-Epidemie gehören weiterhin zum Bild der „Regenbogennation“.
  • Was bleibt nach der WM-Euphorie? Foto: Flickr/babasteve

 

Wäre das Getöse der Vuvuzelas nicht so laut gewesen, hätte man sie bestimmt singen hören: Ausgelassen feiernde, fröhliche, fußballbegeisterte Schwarzafrikaner im Stadion. Der Spielverlauf bzw. welche Mannschaften spielten, schien auf die Freude keinerlei Einfluss auszuüben (die schmerzhafte Niederlage des südafrikanischen Teams gegen Uruquay einmal ausgenommen). Präsident Zuma lächelte freundlich neben Angela Merkel, das deutsche Team fuhr auf Safari und residierte fürstlich, niemand wurde erschossen, ab und an fuhr eine Mannschaft zu einer Trainingseinheit in ein Township. Kurzum: Glück, Glanz, Gastfreundschaft. Alles in allem schien sich das Land von seiner Sonnenseite zu präsentieren.

Missstände jenseits der WM-Euphorie

Die Fassade bekam vereinzelt Risse, wenn von Streiks berichtet wurde („Milliardengewinne der Fifa“ vs. „Hungerlöhne für Ordner und Sicherheitspersonal“), Fans ausgeraubt wurden oder Reporter zwischen den Spielen in Townships fuhren und ihnen die Menschen dort ihre Sicht der Dinge erzählten.

Seitdem Südafrika als Austragungsort verkündet war, verband man Hoffnung mit der WM. Hoffnung für Südafrika, das weltweit am meisten HIV/AIDS-Infizierte und die höchste Rate an Tuberkulosekranken hat und 16 Jahre nach dem Ende der Apartheid immer noch geteilt ist in Schwarz und Weiß, in Arm und Reich. „Geeint“ hat der Fußball das Land nicht, und auch im Sport sind Überreste der Apartheid zu finden: Seit eh und je ist Cricket und vor allem Rugby der Sport der Weißen, Fußball Sport der Armen.

Südafrika muss seine Probleme anerkennen

Doch was hätte in den letzten vier Wochen getan, worauf hingewiesen werden können? Das Problem ist nicht, dass zu wenige Organisationen, Wissenschaftler, Stiftungen, Regierungen etc. forschen, publizieren, Programme aufstellen und Hilfe s(p)enden. Die Schwierigkeiten, unter denen das Land leidet, sind struktureller Natur.

Aber bislang sind die politischen Verantwortungsträger gegenüber den Problemen nicht sprach- und handlungsfähig geworden. Denn nur wenn sich die Südafrikaner selbst und gegenseitig in Verantwortung rufen und die Tragweite der Probleme anerkennen, können deren Ursachen angegangen werden. Die internationale Gemeinschaft kann lediglich dabei helfen, die Symptome zu bekämpfen: Unterstützung für gute Gesundheitsfürsorge, ausreichende Ernährung und Armutsbekämpfung. Die Regierung Südafrikas hätte zusammen mit der Fifa die Möglichkeit gehabt, auf Missstände aufmerksam zu machen und Bälle ins rollen zu bringen.

Jeder kann helfen

Bis dies geschieht kann jeder einen wertvollen Beitrag beisteuern, um das Leid der Menschen in Südafrika zu lindern. Das sollte sich auch der reiche und gesunde Westen immer wieder zur Aufgabe machen. Südafrika und seine Menschen sind wunderschön, und es bleibt nur zu wünschen, dass die Südafrikaner gegenseitig erkennen können wie wertvoll jeder Einzelne von ihnen ist und was es bedarf um dies für die Zukunft zu behalten. Sollten sich durch die WM in Südafrika die dramatischen gesundheitlichen und sozialen Zustände langfristig verbessern und die Menschen ein Stück geeint wurden, war die WM ein Gewinn für Südafrika.

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