Als Evangelischer beim Weltjugendtag

Ich mag es nicht, mich von Konventionen und Alltagstrott einschränken zu lassen. Darum tue ich gern auch mal etwas Ungewöhnliches. Und so beschloss ich, als evangelischer Christ den 26. (katholischen) Weltjugendtag vom 15. bis 21. August in Madrid zu besuchen – zusammen mit mehr als 1 Million jungen Menschen aus aller Welt.
  • Foto: flickr/Catholic Westminster

 

Ich liebe Großveranstaltungen. Und ich mag die ökumenische Kommunität „Taize“ sehr. Und da es auf dem Weltjugendtag in Madrid in der zweitgrößten Kirche der Stadt ein Taize-Zentrum gab, beschloss ich kurzerhand dorthin zu reisen. Auf dem Weg besuchte ich noch ein paar andere europäische Städte. So fand ich bereits einige Tage vor Beginn des Weltjugendtags in Barcelona jede Menge Pilger, die auf dem Weg nach Madrid waren. Ich fühlte mich auch als Pilger auf einem Pilgerweg.

Schlachtgesänge und spontanes Abklatschen

Am 14 August kam ich in Madrid an. Die Stadt füllte sich allmählich mit Menschen aus 193 Ländern der Erde. Man begrüßte sich auf den Straßen und im weitverzweigten Metro-Netz mit Schlachtgesängen und spontanem Abklatschen auf Rolltreppen. Überall war Freude und Begeisterung zu spüren. Trotz der bis zu 40 Grad waren die Pilger voller Energie und feierten ihren Glauben.

Jesus im Vordergrund

Auf vielen Veranstaltungen wurde betont, dass nicht der Papst oder Maria im Vordergrund stehen, sondern Jesus – das hat mir besonders gefallen. Auch wurde immer wieder zu einem missionarischen Lebensstil aufgerufen. So fühlte ich mich als evangelischer Christ überhaupt nicht Fehl am Platz. Meine Digitalkamera hatte ich immer dabei, um möglichst vieles festhalten zu können. Deshalb achtete ich auch besonders auf meine Sachen, denn ich wusste, dass Madrid eine gefährliche Stadt ist, was Diebstähle angeht.

Meine Digitalkamera wurde gestohlen

Besonders ein Erlebnis wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben: Ich war gerade unterwegs zum Taize-Gottesdienst, um dort einen kleinen Film zu machen, den ich später bei YouTube einstellen wollte. Leider passte ich dann doch einen Moment nicht auf – und tatsächlich wurde meine Digitalkamera gestohlen! Ich war deprimiert – alle meine Aufnahmen waren nun weg! Nun brauchte ich mich aber in der Taize-Kirche nicht ganz nach hinten zu setzen – das hätte ich gemacht, um zu filmen.

Ein Traum wurde Wirklichkeit

Ich ging also ganz nach vorn und wartete auf den Beginn. Die Kirche füllte sich immer mehr mit Pilgern und es mussten sogar Bänke abgebaut werden, damit mehr Leute auf dem Boden Platz hatten Plötzlich kam eine Frau zu mir und fragte mich, ob ich im Gottesdienst einen Bibelvers in meiner Muttersprache vorlesen möchte. Es war schon lange mein Traum gewesen, das einmal zu machen. Und so stand ich schließlich mit 5 anderen Leuten im offiziellen Taize-Gottesdienst des Weltjugendtags vor unzähligen jungen Menschen und las einen Bibelvers vorn. Lustigerweise hatte ich gerade an diesem Tag ein T-Shirt vom evangelischen Kirchentag in Dresden an! Ich habe somit die evangelische Kirche bei den Katholiken gut vertreten ;-)

Dankbar für den Verlust der Kamera

Im Endeffekt war ich Gott sogar danken, dass mir meine Digitalkamera gestohlen worden war, denn sonst hätte ich dieses einmalige Erlebnis nicht gehabt. Ich hatte auch den Eindruck, dass Gott mir damit sagen möchte: Es ist besser, in der Gegenwart zu leben, und nicht in der Vergangenheit – schließlich stehen Fotos immer für Vergangenes...

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