Allein unter Tausenden – einsam als Student

Riesige Hörsäle, Massenveranstaltungen, ständig wechselnde Platznachbarn: Diesen Zustand kennen viele Studenten an deutschen Hochschulen. Da fühlt man sich schnell verloren, alleingelassen und einsam. Anschluss zu finden, ist oft schwer. Doch wer sich nicht nur hinter seinem Schreibtisch versteckt, hat gute Chancen, schnell Kontakte zu knüpfen.
  • Foto: flickr/Corina Dumat

 

Ein Drittel aller Studenten in Deutschland vermutet, dass es niemandem auffallen würde, wenn sie plötzlich nicht mehr zu Vorlesungen oder Seminaren kommen würden. Das zeigt der aktuelle Studierendensurvey der AG Hochschulforschung der Universität Konstanz. Oft können es die frischgebackenen Abiturienten zunächst gar nicht abwarten, endlich „raus“ zu kommen. Dass aller Anfang schwer sein kann, ist ja klar, sagen die meisten. Aber die Erzählungen vom aufregenden Studentenleben, andauernden Partys und vielen neuen Freunden, sind für einige zu einer Mär geworden. Denn obwohl sie jeden Tag Veranstaltungen besuchen, sich mit Kommilitonen unterhalten und hin und wieder ein Referat zusammen machen, sitzen sie beim Mittagessen in der Mensa meistens für sich allein.

Wenn man in den ersten Tagen keinen findet, ist man „raus“

Laut des Surveys sind es besonders ältere Studenten, die an der Uni keinen Anschluss finden. Doch Janina kennt das Problem schon seit ihrem ersten Tag an der Frankfurter Massenuniversität: „Ich bin zwar kein wahnsinnig schüchterner Mensch und ich hatte in der Schule auch viele Freunde“ erzählt die 24-Jährige, „aber die Situation an der Uni war doch eine ganz andere. Viele haben sich bereits in den ersten Tagen gefunden. Wenn man das verpasst hatte, war man raus.“ Sie kennt einige Studenten, ein oder zweimal war sie mit zwei anderen Mädchen aus ihrem Fachbereich Politikwissenschaften etwas trinken, aber es hat sich nie mehr daraus entwickelt. „Ich habe wirklich oft gefragt, ob sie mal wieder etwas unternehmen wollen. Aber viele haben keine Zeit und vertrösten einen auf einen späteren Zeitpunkt“, erzählt Janina resigniert.

Was läuft falsch?

Auch Carmen kennt das Problem: „Ich glaube, dass es gerade in einer Großstadt daran liegt, dass viele noch Zuhause wohnen und jeden Morgen pendeln. Die haben ihren Freundeskreis in ihrer Heimatstadt und sind auf Freundschaften in der Studentenschaft nicht angewiesen.“ Doch seit die 25-Jährige für den Master-Studiengang in eine Studentenstadt gezogen ist, haben sich ihre Probleme fast erledigt: „Es ist immer noch nicht so einfach, als Neuankömmling gleich Anschluss zu finden, aber die Leute hier sind offener und interessierter. Wenn man erstmal ein paar kennengelernt hat, erschließen sich größere Gruppen oft von ganz allein.“ 

Für Studenten in stark verschulten Studiengängen ist es einfacher

Oftmals hängt es aber nicht nur davon ab, ob man in einer Groß- oder einer Kleinstadt studiert. Die Einsamkeit kann auch von der Organisation des Studienfaches abhängen. Die geisteswissenschaftlichen Studiengänge sind zumeist freier. Das heißt, man sucht sich viele Veranstaltungen selbst aus und trifft immer wieder auf neue Leute. Dass man immer wieder mit den gleichen Kommilitonen in einem Raum sitzt, kommt selten vor. In Studiengängen wie Jura oder Ingenieurswissenschaften gibt es einen festgelegten Stundenplan – jeder belegt die gleichen Kurse. Zudem lernen die Studierenden oft in kleinen Arbeitsgruppen, in denen sie über mehrere Semester hinweg intensiv miteinander kommunizieren. 

Was kann man tun?

Was in den Vorlesungen und Seminaren selbst oft nicht gelingt, muss anderswo gesucht werden. Das klingt vielleicht einfacher, als es ist. Aber Möglichkeiten bestehen an der Uni genug, andere Menschen kennenzulernen und Freundschaften aufzubauen – ob nun für die Dauer des Studiums oder für ein ganzes Leben. Torben hatte es von Anfang an leicht. Der 21-Jährige hat an seiner Universität in Freiburg schnell neue Freunde gefunden. Warum? „Der Trick ist, einfach nicht so viel zu lernen. Die, die sich verloren fühlen, sind oft die, die sich zu viel Stress machen und ein perfektes Studium abliefern wollen. Die finden kaum Freunde, weil sie einfach zu viel studieren.“ Es gebe unzählige Möglichkeiten, sich außerhalb der Vorlesungszeit zu engagieren und so Anschluss zu finden: Fachschaften, Chöre, Theatergruppen, Hochschulsport oder Studierendengemeinden.  

Wichtig: Einführungswochen wahrnehmen

Als besonders entscheidend aber benennen fast alle Studenten die Einführungswochen. Die von den Fachschaften organisierten Stadtführungen und Kneipentouren in den ersten Semesterwochen sind unersetzlich, um neue Leute kennenzulernen. Für alle Erstsemester gilt also: Geht auf jeden Fall zur Einführungswoche! Genießt es und habt keine Angst, denn vielen fällt das Anschlussfinden schwer.

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