Düstere Prognose: Die Welt im Jahr 2052
Zum zweiten Mal hat der „Club of Rome“ eine Studie erstellt, die ein Bild davon entwirft, wie unsere Welt in 40 Jahren aussehen könnte. Herausgekommen ist ein erschreckend düsteres Zukunftsszenario, dass so manchem Weltuntergangsfilm in nichts nachsteht. Wenn wir nicht endlich nachhaltiger leben, steht es schlecht um die Welt ...
Die Welt im Jahr 2052: Donau, Rhein und Elbe führen zum sechsten Mal in dem Jahrzehnt heftiges Hochwasser, ebenso „überfluten“ Flüchtlinge aus Zentralafrika, Australien und küstennahen Ländern die Städte Deutschlands. Höher gelegenen Ländern, die nicht mit Dürre oder noch größeren Überflutungen zu kämpfen haben, geht es ähnlich. Manche Gegenden der Erde haben seit fünf Jahren keinen Regen mehr gesehen. Doch die Sonne scheint über Deutschland nur selten. Meistens ist der Himmel grau, Orkane wüten immer wieder über das Land. Die Lebensmittel werden knapp. Wer es sich leisten kann, wandert nach Skandinavien, Sibirien, Kanada oder Grönland aus. Dort sind die Temperaturen mittlerweile erträglich und der gestiegene Meeresspiegel erreicht die meisten Siedlungen nicht. Die Wirtschaftsmächte in Fernost sowie Russland, Südafrika und Brasilien schotten sich dagegen zunehmend gegen die Flüchtlingswellen ab.
Ein Zukunftsszenario der Wissenschaftler
Solch düstere Szenarien zeichnet der Report „2052: Eine globale Vorhersage für die nächsten 40 Jahre“. In Auftrag gegeben hatte ihn der „Club of Rome“, dem umweltbewusste Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft angehören. Es ist die zweite Vorhersage im Auftrag des Clubs: Vor 40 Jahren gab es mit „Die Grenzen des Wachstums“ eine erste Prognose, die im Laufe der Jahre immer wieder aktualisiert wurde.
Damals sagten die Autoren den Zusammenbruch der Welt, wie wir sie kennen, im Laufe der nächsten 100 Jahre voraus – vorausgesetzt, das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, die Umweltverschmutzung und die Nahrungsmittelproduktion nehmen weiter ungehindert zu. Für das Jahr 2000 wurde eine Weltbevölkerung von sechs Milliarden Menschen korrekt vorhergesagt.
Dürren und Überflutungen
„Die Menschheit hat die Ressourcen der Erde ausgereizt und wir werden in einigen Fällen schon vor 2052 einen örtlichen Kollaps erleben“, sagte der norwegische Wirtschaftsexperte, Zukunftsforscher und Autor des Reports, Jørgen Randers, bei der Präsentation Anfang Mai in Rotterdam, „Wir stoßen jedes Jahr zweimal so viel Treibhausgas aus wie Wälder und Meere absorbieren können.“
Das Ergebnis: Bis 2080 soll die Durchschnittstemperatur um 2,8 Grad steigen. Länder, die sowieso immer wieder unter großer Hitze und wenig Regen zu leiden haben, spüren den Temperaturanstieg dann umso stärker. Dadurch steigt der Meeresspiegel bis 2052 um einen halben Meter. Inseln in den großen Ozeanen, die nur wenige Zentimeter über dem Wasserspiegel liegen, sind damit verloren. Die Treibhausgasemissionen nehmen laut Randers bis 2030 weiter zu – zu spät, um die prognostizierten Folgen noch wirksam verhindern zu können.
Wer ist schuld?
Schuld an der Misere sei ganz klar die Wirtschaft, sagt Randers. Die weiß mindestens genauso wie jeder Verbraucher, dass Umweltschutz keine Frage der Ideologie ist, sondern des Überlebens. Dass schnelle Veränderungen nötig sind, damit der Klimawandel und seine Folgen nicht noch schlimmer werden, predigen Wissenschaftler und Umweltschützer seit Jahrzehnten. Geändert hat sich manches – aber nicht genug.
Industrie und Wirtschaft achten weiterhin zuerst auf ihre Gewinne, Umweltschutz wird meistens nur dann interessant, wenn das „grüne“ Image einer Firma den Umsätzen dient. Die Wegwerfmentalität der Verbraucher und die Lust auf Luxus und Prestige trägt ebenso dazu bei, dass mehr produziert wird, als die Umwelt verträgt. Trotz des ständigen Strebens nach Entwicklung wird das Bruttoinlandsprodukt allerdings 2052 nur gut doppelt so hoch sein wie heute.
Ende der Umweltzerstörung in wenigen Jahren?
Ein Ende der Umweltzerstörung sieht Karl Wagner, Mitglied des „Club of Rome“, in den 20er Jahren. Dann werde die junge Generation aufstehen und sich gegen die Umweltzerstörung der älteren zur Wehr setzen, glaubt der Österreicher. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass die Förderung alternativer Energien angeblich weiter zunimmt – und sich lohnt.
Es gibt auch gute Nachrichten
Ein Gutes hat der weltweite Wandel in den nächsten 40 Jahren nach Schätzungen der Autoren aber doch: Die Armut in den Entwicklungsländern werde abnehmen. Nicht zuletzt, weil die Bevölkerung weniger wächst als bisher. Dafür steigen Armut und Ungleichheit in den Industrieländern, wo die wirtschaftliche Entwicklung und die Geburtenrate abnehmen. Nach Randers Schätzungen werden 2040 gut acht Milliarden Menschen auf der Welt leben – drei Milliarden davon in Armut. Darunter könnten sich auch heutige Industrieländer befinden. Da die wirtschaftliche Entwicklung stagniert und manche natürlichen Ressourcen langsam erschöpft sind, wird auch weniger produziert – und damit weniger Treibhausgase freigesetzt – gut für die Umwelt.
Ratschläge für jeden
Die Prognose des „Club of Rome“ ist großteils düster und manche beschriebenen Katastrophenszenarien sind laut den Autoren nicht mehr aufzuhalten. Das darf für uns aber kein Grund sein, so weiterzumachen, wie bisher. Genauso wie der Klimawandel und die Ausbeutung der Erde durch die Wirtschaft jeden trifft, hat auch jeder Anteil daran. Deswegen endet der Report auch mit Tipps, die sich jeder zu Herzen nehmen sollte: Lieber das eigene Wohlbefinden steigern, statt das eigene Einkommen, ist ein Vorschlag, der nicht nur der Umwelt, sondern auch der eigenen Lebensqualität zugute kommen kann. Etwas überzogen mag dagegen ein anderer Vorschlag sein: Suchen Sie sich einen Wohnort, der sicher ist vor Überflutung.


